Artenschutzprojekt Gelbbauchunke

Bei Gefahr wird Farbe bekannt

Gelbbauchunke, Foto M. Frede
Gelbbauchunke, Foto M. Frede

Klein, aber fein, zeigt der kaum 5 cm messende Froschlurch seine Farbenbracht erst, wenn Gefahr im Verzug ist. Allen Unkenrufen zum Trotz – hat die Gelbbauchunke jedoch bis zur Gegenwart im Kreis Siegen-Wittgenstein überdauert.
Die Gelbbauchunke präsentiert ihre Schreckstellung indem sie ihre angezogenen Hinterbeine und Vordergliedmassen nach oben dreht. Jetzt wird die zitronengelbe Unterseite sichtbar. Welchen Sinn hat das Demonstrieren dieser Farbenpracht? So mancher Jungfuchs oder Jungdachs könnte eindrucksvoll über einen Unkengeschmackstest berichten, wenn er der menschlichen Sprache mächtig wäre. Gelbbauchunken sondern nämlich ein recht starkes Hautgift ab, welches sehr unangenehm auf den Mundschleimhäuten brennt sowie tränende Augen und laufende Nasen verursacht. Deshalb muss sich z.B. jeder Unkenforscher die Hände waschen, nachdem er die Tiere in die Freiheit entlassen hat. Beherzigt man diese Erkenntnisse, sind Gelbbauchunken vollkommen harmlos.

Dass die gegenwärtige Existenz der Gelbbauchunke in Siegen-Wittgenstein nicht selbstverständlich ist, zeigt der gravierende Bestandseinbruch, den die Art in den letzten Jahrzehnten zu verzeichnen hat. Saß die Art noch bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts in einigen Tongruben des Siegerlandes, so haben mittlerweile nur noch drei Vorkommen überdauert. Zwei von ihnen weisen nur noch wenige Tiere auf, so dass dort in den nächsten Jahren mit ihrem Aussterben gerechnet werden muss.

Pflege-Gelbbauchunken-Laichgewässer

Dass größte verbliebene Vorkommen wird seit mehreren Jahren von der Biologischen Station und der Unteren Landschaftsbehörde betreut. Auf der gepachteten Fläche werden alljährlich im späten Frühjahr mehrere kleine Tümpel gegraben, in welche die Unkenweibchen innerhalb kürzester Zeit im Schnitt 10 bis 20 Eier legen.

Anlage neuer Tümpel für die Gelbbauchunke durch den Pflegtrupp des Kreises Siegen-Wittgenstein, Foto M. Frede
Anlage neuer Tümpel für die Gelbbauchunke durch den Pflegtrupp des Kreises Siegen-Wittgenstein, Foto M. Frede

Diese Tümpelgrabungen sind notwendig, da die Art vegetationsfreie Flachgewässer bevorzugt. In verkrauteten Gewässern würden Fressfeinde, wie Wasserkäfer- und Libellenlarven den Unkenquappen das Leben sehr schwer machen. Unkengewässer kommen heute fast nur noch in von Menschen geschaffenen Lebensräumen vor. Waren es früher Uferbereiche von alljährlich überschwemmten, turbulenten Gewässern oder wassergefüllte Schlaglöcher historischer Handelswege, so finden die Tiere heutzutage fast ausschließlich ihr Auskommen in bewirtschafteten Basaltsteinbrüchen, Sand- und Tongruben. Dass lebensraumverbessernde Maßnahmen sehr erfolgreich sein können, zeigen die alljährlich vorgefundenen Mengen an Laich, Kaulquappen und Jungunken.

Eigelege von der Gelbbauchunke, Foto M. Frede
Eigelege von der Gelbbauchunke, Foto M. Frede
Kaulquappe der Gelbbauchunke, Foto M. Frede
Kaulquappe der Gelbbauchunke, Foto M. Frede
Amplexus der Gelbbauchunke, Foto M. Frede
Amplexus der Gelbbauchunke, Foto M. Frede
Typische Schreckstellung der Gelbbauchunke bei Gefahr, Foto M. Frede
Typische Schreckstellung der Gelbbauchunke bei Gefahr, Foto M. Frede