Der Grasfrosch Rana temporaria

Amplexus beim Grasfrosch, Foto M. Frede
Amplexus beim Grasfrosch, Foto M. Frede

Irgendwann ist er jedem von uns schon einmal über den Weg gesprungen, der Grasfrosch. Geht man davon aus, dass sein Name von „grasgrün“ abgeleitet wird, so macht er diesem wahrlich keine Ehre, denn Grasfrösche sind niemals grün gefärbt wie ihre entfernten Verwandten die Grünfrösche und der Laubfrosch. Trotzdem kann die Grasfroschgrundfärbung sehr variabel sein und reicht von gelb über diverse Brauntöne bis hin zu dunkelgrau.

Die Art zeigt Verhaltensweisen, welche ihr durchaus zur Ehre gereichen. So kommt der Grasfrosch noch weit nördlich des Polarkreis hinaus vor. Kein anderer europäischer Lurch ist dazu in der Lage, die dort herrschenden, widrigen Klimabedingungen zu überleben. Im Frühjahr, wenn die Grasfrösche ab Ende Februar als erste Amphibien im Jahr in Hochzeitsstimmung geraten, wandern sie zu ihren Geburtsgewässern, um sich dort fortzupflanzen. Dann kann es schon mal hoch hergehen im Tümpel, Fischteich oder Altarm. Mitunter treffen sich Hunderte von Grasfröschen in einem Gewässer. Die Männchen versuchen sich dann mit Stößen oder Tritten die Widersacher vom Leibe zu halten, um ein mit Laich prall gefülltes Weibchen zu ergattern. Meist haben sie dazu ein fast blaugrau gefärbtes Hochzeitskleid angelegt. Nach der Eiablage verlassen die Grasfrösche ihre Laichgewässer und verbringen den Rest des Jahres, z.T. bis Anfang November an Land. Dort schlagen sie sich den Bauch voll, um für den kommenden Winterschlaf gewappnet zu sein.

Grasfroschkaulquappe, Foto M. Frede
Grasfroschkaulquappe, Foto M. Frede

In früheren Zeiten war es so gut, wie unmöglich, während der Heuernte keine Grasfrösche zu Gesicht zu bekommen, denn Grasfrösche waren in den Wiesen allgegenwärtig, da sie dort nach Heuschrecken oder anderen Beutetieren Ausschau hielten. Heutzutage ist es schon nicht mehr so einfach, einen dieser braunen Gesellen im Grünland zu entdecken. Zum einen hat die Intensivierung der Landwirtschaft dazu beigetragen, dass die Artenvielfalt in vielen Wiesen und Weiden stark abgenommen und damit dem Grasfrosch die Nahrungsgrundlage verschlechtert hat. Zum anderen führt der durch saure Niederschläge stark gesunkene pH-Wert einiger Gewässer dazu, dass sich der Laich nur noch selten in diesem sauren Milieu zu kleinen Jungfröschen entwickeln kann, da die Eier schon vorher verpilzen.

Trotzdem gehört der wenig anspruchsvolle Grasfrosch immer noch zu den häufigsten Amphibienarten in Siegen-Wittgenstein. Wer dem Grasfrosch helfen möchte, kann dies z.B. im eigenen Hausgarten. Durch das Anlegen eines fischfreien naturnahen Gartenteiches stellen sich Grasfrösche oft von selbst ein, um dort abzulaichen. Außerdem freut sich der Grasfrosch auch über Rasenbereiche, die erst im Spätsommer gemäht werden. Daneben profitieren viele andere Arten von dieser Möglichkeit der Naturschutzmaßnahmen.