Die Schlingnatter Coronella austriaca

Die Schlingnatter ist durch ihre Zeichnung gut getarnt, Foto M. Frede
Die Schlingnatter ist durch ihre Zeichnung gut getarnt, Foto M. Frede

Das war eindeutig ´ne Kreuzotter! Ich hab´ die Kreuzzeichnung auf dem Kopf deutlich erkannt! Diese Aussage bekommen heimische Herpetologen (so nennt man Personen, die sich mit der Biologie von Amphibien und Reptilien beschäftigen) regelmäßig aus der Bevölkerung mitgeteilt. Im Kreis Siegen-Wittgenstein sind solche Bemerkungen ein fast untrüglicher Hinweis auf ein Schlingnattervorkommen. Im Gegensatz zur giftigen Kreuzotter ist die heimische Schlingnatter vollkommen harmlos und ungiftig. In die Hand nehmen sollte man sie allerdings nicht, denn, wie viele Wildtiere, beisst dann die Schlingnatter, um sich zu verteidigen.

Leider werden bei uns bis zur Gegenwart immer noch Schlangen sinn- und grundlos erschlagen. In der Regel aus Unkenntnis oder Ekel. Abgesehen von der Tatsache, dass die Kreuzotter gesetzlich geschützt und ein Töten oder Sammeln der Tiere verboten ist, vertilgt sie in nicht unerheblichem Masse Mäuse. Vor Kreuzottern braucht sich niemand in Siegen-Wittgenstein zu fürchten, ganz einfach aufgrund der Tatsache, weil sie bei uns wildlebend definitiv nicht vorkommen, bzw. in historischer Zeit nie vorgekommen sind, auch wenn es immer wieder anderslautende Behauptungen gibt! Diese entbehren jeglicher Grundlage! Die nächsten Kreuzottervorkommen Nordrhein-Westfalens liegen im westlichen Münsterland, über 100 Kilometer von Siegen-Wittgenstein entfernt.

Neben der Schlingnatter kommt bei uns nur noch die Ringelnatter als weitere Schlangenart vor. Während die Schlingnatter auf graubraunem Grund schwärzlich gefleckt ist und eine dunkle Kopfzeichnung aufweist, ist die Ringelnatter meist an ihren gelben oder weißlichen Flecken, den sogenannten „Natternkrönchen“ am Hinterkopf schnell von Ersterer zu unterscheiden. Allerdings kommen immer wieder Ringelnattern vor, die keine „Natternkrönchen“ zeigen.

Während sich die Ringelnatter gern offen der Sonneneinstrahlung aussetzt, verbirgt sich die Schlingnatter beim Sonnenbaden eher in Vegetationslücken. Deshalb wird sie auch nur vergleichsweise selten beobachtet. Die besten Chancen bestehen nach länger anhaltenden Kälteperioden im Sommer, wenn eine Wärmphase eintritt. Dann müssen die Schlingnattern wieder Wärme tanken, um Nahrung aufnehmen zu können. Schlingnattern ernähren sich bei uns vornehmlich von Waldeidechsen und Mäusen. Sie helfen somit, wie die Kreuzotter, Mausgradationen in Grenzen zu halten.

Jungtiere der Schlingnatter, Foto M. Frede
Jungtiere der Schlingnatter, Foto M. Frede

In Anpassung an kühl-gemäßigte Lebensräume hat die Schlingnatter eine andere Fortpflanzungsstrategie, als die meisten heimischen Reptilien und Amphibien. Sie bringen nämlich in der Regel zwischen August und September fertig entwickelte Jungtiere zur Welt. Dies hat den Vorteil, dass die Eier mit den Embryos im Schutz des Mutterleibs heranreifen können. Andererseits besteht die Gefahr, dass das Weibchen gefressen oder getötet wird und damit auch seine noch nicht geborenen Nachkommen.

Die Schlingnatter lebt in Siegen-Wittgenstein v.a. auf Schieferhalden, Magerrasen, vegetationsreichen Bahndämmen aber auch in manchem naturnahem Garten. Obwohl sie noch an einigen Stellen vorkommt, scheint die Art in Siegen-Wittgenstein seltener geworden zu sein. Gründe dafür könnten zuwachsende bzw. zugepflanzte Schieferhalden, vegetationsfrei gehaltene Bahndämme, aber auch das Schwinden naturnah gepflegter Gärten sein. Wer eine Schlingnatter zu Gesicht bekommt, sollte sich zunächst einmal über die seltene Beobachtung freuen. Anschließend freut sich die Biologische Station Siegen-Wittgenstein über eine Meldung der Beobachtung. Die Meldungen werden dort gesammelt und ausgewertet, um so z.B. ein Bild über die derzeitige Verbreitung der Art in Siegen-Wittgenstein zu erhalten.