Bachforelle

Die Bachforelle Salmo trutta forma fario

Bachforelle, Foto M. Frede
Bachforelle, Foto M. Frede

Die Bachforelle ist ihrer eleganten Körperform und ihres schmackhaften Fleisches wegen sicherlich die am häufigsten in Siegen-Wittgenstein beangelte Fischart. Es ist nicht schwer, sie beim Blick ins Wasser von einer Brücke aus zu entdecken. Trotzdem wird auch sie bereits in der Roten Liste der gefährdeten Fischarten Nordrhein-Westfalens geführt. Wie ist so etwas bei einer scheinbar häufigen Fischart möglich? Bachforellen sind insbesondere im Flachland relativ lückenhaft verbreitet. Die Gründe hierfür liegen weniger in der Gewässerverschmutzung als in der Strukturarmut vieler Fließgewässer. Hinzu kommen vom Menschen verursachte Sedimenteinträge, welche das Kieslückensystem verfüllen und unbrauchbar für die Laich- und Larvenentwicklung machen. Gewässerversauerung und Gewässerhindernisse sind weitere Faktoren, welche die Bestände beeinträchtigen.

Im Kreis Siegen-Wittgenstein kommen gegenwärtig sehr gute Bachforellenbestände vor. Dies liegt am Strukturreichtum vieler Fließgewässeroberläufe und der sehr guten Wasserqualität. Aber auch bei uns liegen Faktoren vor, welche die Bestände zukünftig bedrohen können. Dies sind vor allem falsche Besatzmaßnahmen. So werden einige Gewässer immer noch mit Forellenbrut besetzt, die nicht an die örtlichen Gegebenheiten angepasst ist. Meist handelt es sich um kostengünstige Besatzfische, welche die Vereinskassen so mancher Fischereigenossenschaft oder Fischereivereine entlasten sollen. Solche Bachforellen erreichen in der Regel nicht die erste Laichreife, sondern enden vorher als Beute oder gehen im Extremfall ein. Die überlebenden Satzforellen vermischen sich dann nicht selten mit heimischen Bachforellen. Dies kann dazu führen, dass solche Mischlinge als erwachsene Tiere zu früh im Jahr ablaichen und die Brut aufgrund der anhaltend niedrigen Temperaturen nicht heranwachsen kann.

Die Fischereigenossenschaft Kreuztal geht einen anderen Weg. Sie fängt autochthone (heimische) Bachforellen aus entlegenen Gewässeroberläufen Kreuztals, die augenscheinlich nicht durch Satzfische unbekannter Herkunft durchmischt sind. Der Laich dieser Fische wird in einer speziellen Anlage ausgebrütet und die jungen „Wildbachforellen“ herangezogen, um sie später als Satzfische wieder in geeignete Gewässer auszusetzen.

In besonders individuenreichen Bachforellenbeständen kommt es regelmäßig vor, dass einige der Fische die heimischen Gewässer in Richtung Nordsee verlassen. Auf dem Weg dorthin färben sie sich um, passen sich physiologisch an ein Leben im Meerwasser an und verbringen dort einige Jahre um anschließend wieder zu ihren Geburtsgewässern zurückzuwandern und hier abzulaichen. Diese Fische unterscheiden sich in Form und Farbe deutlich von der standorttreuen Bachforelle und werden als Meerforellen Salmo trutta forma trutta bezeichnet. Es handelt sich somit nicht um zwei verschiedene Arten sondern um 2 ökologisch deutlich unterscheidbare Formen der selben Art.