Fledermausmonitoring

Nächtlichen Flugakrobaten auf der Spur

Zwergfledermaus, unsere kleinste und häufigste Fledermaus, Foto M. Frede
Zwergfledermaus, unsere kleinste und häufigste Fledermaus, Foto M. Frede

Fledermäuse haben sich in der Wissenschaft zu regelrechten Forschungsmagneten entwickelt. Fledermäuse ernähren sich nämlich v.a. von Insekten und Spinnentieren, die ihrerseits empfindlich auf negative Veränderungen der Umwelt reagieren. Somit sind auch Fledermäuse verlässliche Bioindikatoren. Ihre Orientierung mit Hilfe von Ultraschalllauten ist extrem perfektioniert, so dass der Mensch versucht, diese Technik, so weit es technisch möglich ist, zu kopieren. Auch aus dem Bereich der naturschutzbezogenen Öffentlichkeitsarbeit sind die nächtlichen Kleinsäuger nicht mehr wegzudenken. So bietet auch die Biologische Station Siegen-Wittgenstein in Zusammenarbeit mit dem NABU Kreis Siegen- Wittgenstein alljährlich mehrere geführte Nachtexkursionen an, auf denen diese interessanten Flugakrobaten erlebt werden können.

Vorbereitungen für einen Fledermausnetzfang an der Eder, Foto S. Portig
Vorbereitungen für einen Fledermausnetzfang an der Eder, Foto S. Portig

Seit 1977 wurden Fledermauswinterquartiere, bzw. seit 1982 Fledermaussommerquartiere, von ehrenamtlichen Mitarbeitern des damaligen Bund für Naturschutz und Vogelkunde Siegerland- Wittgenstein e.V. (BNV), jetzt Naturschutzbund Deutschland – Kreisverband Siegen-Wittgenstein e.V. (NABU), im Altkreis Wittgenstein kontrolliert. Seit Anfang der 90er Jahre erfasst die Biologische Station zusammen mit Mitarbeitern des NABU- „Arbeitskreis Fledermausschutz im Kreis Siegen- Wittgenstein“ verschiedene Sommer- und Winterquartiere. Die Winterkontrolle beinhaltet die Begehung von Stollen und Bergwerken während des Winterhalbjahres. Da diese Art der Kontrollen sehr zeitaufwendig sind, bzw. eine gute Artenkenntnis erfordern, können die ca. 150 bekannten Winterquartiere nur in z. T. unregelmäßigen Abständen auf Fledermäuse hin kontrolliert werden. Die Sommerquartierkontrolle umfasst v.a. die Kontrolle von Fledermauskastenhanggruppen in Wäldern. Derzeitig existieren ca. 55 Hanggruppen mit ca. 400 Kästen. Darüber hinaus werden z.T. Gebäudequartiere in oder an Kirchen und Wohnhäusern untersucht. Daneben erfolgen auch Detektorkartierungen und Netzfänge. Im Rahmen des Monitorings werden auch gezielt Arten nach Anhang II der FFH-Richtlinie untersucht. Im Kreisgebiet betrifft dies derzeitig Mausohr Myotis myotis und Bechsteinfledermaus Myotis bechsteini.

Die Monitoringergebnisse belegen, dass fast sämtliche Fledermausarten positive Bestandstrends zeigen. Diese erfreuliche Entwicklung hat diverse Gründe. Zum Einen hat der Einsatz von Insektiziden im häuslichen und land- bzw. forstwirtschaftlichen Bereich stark nachgelassen. Außerdem profitieren die Fledermäuse in vielen Gebieten von der extensiven Land- und Forstwirtschaft. Zum anderen wirken sich auch die wärmeren Temperatursummen im Sommerhalbjahr auf den Fortpflanzungserfolg aus. Dagegen wird die Besiedlung von neuen oder umgebauten Gebäuden immer schwieriger für diese Tiere, weil kaum noch Lücken in der Bausubstanz verbleiben, in die sich die Fledermäuse zurückziehen können. Trotz der sich abzeichnenden positiven Ausbreitungstrends sind die heimischen Fledermäuse noch weit davon Entfernt, ihre früheren Individuenzahlen zu erreichen. Zu gravierend waren die Bestandseinbrüche in der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Folgende 17 Fledermausarten wurden bisher im Kreis Siegen-Wittgenstein festgestellt, von denen eine Art, die Kleine Hufeisennase, bei uns als ausgestorben gilt:

Kleine Hufeisennase Rhinolophus hipposideros – ausgestorben
Kleine Bartfledermaus Myotis mystacinus – gefährdet
Große Bartfledermaus Myotis brandti – stark gefährdet
Fransenfledermaus Myotis nattereri – ungefährdet
Bechsteinfledermaus Myotis bechsteini – stark gefährdet
Großes Mausohr Myotis myotis – stark gefährdet   Weiterlesen…
Wasserfledermaus Myotis daubentoni – Gefährdung unbekannten Ausmaßes
Braunes Langohr Plecotus auritus – gefährdet   Weiterlesen…
Graues Langohr Plecotus austriacus – vom Aussterben bedroht
Abendsegler Nyctalus noctula – gefährdete wandernde Tierart
Kleiner Abendsegler Nyctalus leisleri – Vorwarnliste
Zwergfledermaus Pipistrellus pipistrellus – ungefährdet   Weiterlesen…
Rauhhautfledermaus Pipistrellus nathusii – extrem selten
Mopsfledermaus Barbastella barbastellus – vom Aussterben bedroht
Nordfledermaus Eptesicus nilssoni – vom Aussterben bedroht
Breitflügelfledermaus Eptesicus serotinus – stark gefährdet
Zweifarbfledermaus Vespertilio discolor – Daten unzureichend
Teichfledermaus Myotis dasycneme ? – Gefährdung unbekannten Ausmaßes (unsichere Beobachtung)
Mückenfledermaus Pipistrellus pygmaeus – Daten unzureichend (unsichere Detektornachweise)

Die Gefährdungskategorien sind Meinig, Vierhaus, Trappmann & Hutterer (2010): Rote Liste und Artenverzeichnis der Säugetiere – Mammalia – in Nordrhein-Westfalen entnommen