Großes Mausohr Myotis myotis

Große Mausohren im Winterquartier, Foto M. Frede
Große Mausohren im Winterquartier, Foto M. Frede

Weltweit nimmt das Artensterben immer besorgniserregendere Ausmaße an. Auch aus heimischen Gefilden haben sich bereits einige Tier- und Pflanzenarten verabschiedet. Beim Großen Mausohr war es fünf vor Zwölf, als Wittgensteiner Fledermauskundler 1978 nur noch ein einsames Exemplar in einem Stollen ausfindig machen konnten. Seitdem hat das Mausohr im Kreis Siegen-Wittgenstein eine Renaissance hinter sich, die ihresgleichen sucht. Die Bestände konnten sich insbesondere von den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts bis hin zur Gegenwart so weit ausbreiten, dass die Art in den meisten heimischen Bergwerken wieder zu den häufigsten Fledermäusen gehört. Bis zu über 30 Tiere konnten in einem Bergwerk überwinternd nachgewiesen werden. Auch wenn diese Bestandszunahme sehr erfreulich ist, so darf sie nicht daüber hinwegtäuschen, dass diese Art in anderen Teilen Deutschlands immer noch selten ist.

Nahezu vollständige Verbannung von hochgiftigen Holzschutzmitteln aus Dachböden, Förderung einer ökologisch orientierten Wald- und Grünlandbewirtschaftung und die Zunahme warmer, niederschlagsärmerer Sommer haben einen Gutteil dazu beigetragen, dass diese Art sich schnell ausbreiten konnte. Trotzdem werden Große Mausohren von „Otto Normalverbraucher“ nur sehr selten registriert und das hat seinen Grund.

Junges Männchen eines Großen Mausohres, Foto M. Frede
Junges Männchen eines Großen Mausohres, Foto M. Frede

Große Mausohren bilden nur an wenigen, geeigneten Orten sogenannte Wochenstuben. Dabei handelt es sich um z.T. mehrere Tausend Weibchen umfassende Ansammlungen, die dort ihre Jungen zur Welt bringen. In der Regel werden geräumige Böden oder Dachstühle von großen Gebäuden, wie Kirchen etc. aber auch Widerlager von großen Brücken aufgesucht. Die Tiere fliegen erst bei Dunkelheit aus und streben dann ihren in der Regel einige Kilometer Entfernung liegenden Jagdgebieten zu. Da die Art besonders gern in Buchenhallenwäldern – damit sind fast unterwuchsfreie ältere Rotbuchenwälder gemeint – jagt, bekommt man sie selbst dort kaum zu Gesicht.

Im Schutze der Dunkelheit erbeuten Mausohren mit Vorliebe bodenlebende Laufkäfer. Da diese einen recht harten Panzer aufweisen, hat Mutter Natur das Mausohr mit besonders kräftigen Zähnen und einer starken Kiefermuskulatur ausgestattet. Mit diesem Werkzeug ist jeder Käferpanzer zu knacken.

Im Wonnemonat Mai profitiert das Mausohr von mittlerweile nur noch regional begrenzt auftretenden Maikäferinvasionen. Dann können die Fledermäuse innerhalb kürzester Zeit ihren nächtlichen Nahrungsbedarf decken.

Das Große Mausohr gehört zu den Fledermausarten, für deren Schutz nach den Vorgaben der Fauna-Flora-Habita-Richtlinie europaweit Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Im Kreis Siegen-Wittgenstein sind dies neben einigen Untertagequartieren auch die FFH-Gebiete „Rothaarkamm und Wiesentäler“ sowie „Buchenwälder und Wiesentäler bei Bad Laasphe“.

Zeitweilig besteht die Möglichkeit Mausohren zu sehen, wenn der Arbeitskreis Fledermausschutz des NABU Siegen-Wittgenstein Fledermausexkursionen im Bereich Raumland anbietet. Termine können aus dem Veranstaltungsprogramm der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein bzw. der örtlichen Zeitungen entnommen werden.