Das Braunes Langohr Plecotus auritus

Braunes Langohr, Foto M. Frede
Braunes Langohr, Foto M. Frede

Dass Fledermäuse leise sind, weiß jedes Kind. Aber wussten Sie auch, dass es unter den heimischen Fledermäusen Arten gibt, die leiser, als ihre Verwandten rufen?

Dass Braune Langohr gehört zu jenen Flüsterern. Es kann seine Rufe sogar mit geschlossenem Maul durch die Nasenlöcher ausstoßen. Selbst Fledermausforscher mit Spezialgeräten, wie Fledermausdetektoren, können diese Art auf ihrem Jagdflug nur in unmittelbarer Nähe registrieren. Deshalb werden Braune Langohren vergleichbar selten mit dem Fledermausdetektor erfasst. Aber warum ist das Braune Langohr so leise? Die Antwort auf diese Frage liegt in den bevorzugten Jagdgebieten der Art. Sie jagt vornehmlich in kraut- und unterholzreichen Wäldern. Zu laute Rufe würden ein Wirrwarr an Echos erzeugen und die Fledermaus in ihrer Orientierung stark einschränken. Sie muss nämlich in Bruchteilen einer Sekunde zwischen Beute und Hindernis unterscheiden können. Um die leisen Echos noch effizient erfassen zu können, haben Braune Langohren die größten Ohrmuscheln unter den heimischen Fledermäusen.

Ihr Körper ist auch noch auf andere Art und Weise an die Jagd im dichten Unterholz angepasst. Relativ kurze, breite Flügel ermöglichen es dieser Art auf engstem Raum hervorragend zu manövrieren. Braune Langohren sind dazu in der Lage, im Rüttelflug auf der Stelle „stehen“ zu bleiben, um beispielsweise ein Beutetier von einem Blatt abzulesen. Außerdem hat diese Art hat die größten Augen unter den heimischen Fledermäusen. Man vermutet deshalb, dass Langohren in mondhellen Nächten neben der Echoortung verstärkt auch den Gesichtssinn während der Jagd nutzen.

Größere Jagdbeute, wie Nachtschmetterlinge, wird in der Regel zu einem Hangplatz transportiert und dort in Ruhe verzehrt. Ansammlungen von Schmetterlingsflügeln sind ein sicherer Hinweis auf den Fraßplatz eines Langohrs.

In Siegen-Wittgenstein ist die Art mittlerweile wieder verbreitet, aber längst nicht so häufig, wie die Zwergfledermaus. Ein Teil der Weibchen nutzt großräumige Dachböden als Wochenstube, der andere Teil zieht seine Jungen in Baumhöhlen oder Nistkästen groß. Der Arbeitskreis Fledermausschutz Siegen-Wittgenstein registriert die Art vornehmlich bei Gebäude-, Nistkasten- und Winterquartierkontrollen sowie bei Netzfängen.

Im Winterquartier ruhende Langohren scheinen keine Ohren aufzuweisen, aber diese sind natürlich nicht verlorengegangen. Die Tiere klemmen die gewaltigen Ohrmuscheln einfach zwischen Körper und Flügel, um sie so vor Verletzungen oder Frost zu schützen. Nur die langen Tragi (Ohrdeckel) schauen dann noch hervor und führen besonders bei angehenden Fledermauskundlern zu Fehlinterpretationen, da sie diese mit den eigentlichen Ohren verwechseln. Obwohl das Braune Langohr gegenwärtig wieder als relativ verbreitet angesehen werden kann, so ist es dennoch sehr anfällig gegenüber Lebensraumverlusten. Eine drastische Zunahme von Fichtenmonokulturen oder Intensivgrünlandflächen würde unweigerlich zu spürbaren Populationseinbrüchen führen.