Die Zwergfledermaus Pipistrellus pipistrellus

Zwergfledermaus, unsere kleinste und häufigste Fledermaus, Foto M. Frede
Zwergfledermaus, unsere kleinste und häufigste Fledermaus, Foto M. Frede

Mit durchschnittlich 3,2 Zentimetern Körperlänge und 6 Gramm Körpergewicht macht unsere kleinste heimische Fledermausart ihrem Namen alle Ehre. An lauen Sommerabenden hat sie wahrscheinlich jeder Naturfreund irgendwann einmal beobachtet, wie sie in eleganten Kapriolen über der Veranda oder an einer Straßenlaterne nach Insekten jagt.

Die Zwergfledermaus kommt flächendeckend im gesamten Kreis Siegen-Wittgenstein in z. T. recht hohen Bestandsdichten vor. Deshalb ist sie bei uns auch die häufigste Fledermausart. Sie sucht besonders gern Gebäude als Sommerquartiere auf. Dort verbringt sie den Tag und zieht ihre Jungen in sogenannten, im Extremfall bis zu mehreren hundert Weibchen umfassenden Wochenstubenkolonien auf. Leider ist dadurch ab und zu Ärger mit Hauseigentümern vorprogrammiert, die sich über Kot- oder Urin-Ansammlungen der Tiere beschweren. Zwergfledermauskot hat jedoch eine trockene Konsistenz und ist vollkommen harmlos.

Junge Zwergfledermaus, Foto M. Frede
Junge Zwergfledermaus, Foto M. Frede

Im Juni und Juli werden auch regelmäßig junge, noch nicht flügge Zwergfledermäuse, die sich aus der Wochenstube verirrt haben oder abgestürzt sind von besorgten Menschen aufgelesen. Solchen Jungtieren kann man in der Regel dadurch helfen, dass man sie des Nachts unter freiem Himmel an einem katzensicheren Ort in eine große Plastik- Wäschewanne legt, die den Fledermausmüttern nach der Aufnahme ihrer wiedergefundenen Jungtiere ein Abfliegen ermöglicht, ohne dass die Jungtiere vorher herauskrabbeln können. In der Wanne sollte sich eine mit einem Handtuch abgedeckte, ca. 40 Grad warme Wärmflasche befinden.

Zwischen Mitte August und September schwärmen v.a. flügge Zwergfledermäuse vor potenziell geeigneten Quartieren um neue Unterschlupfmöglichkeiten zu erkunden. Dann hört man immer wieder Meldungen über Fledermäuse, welche durch gekippte Fenster in Wohnräume gelangten und dort in den Gardinen hängen. In der Regel reicht es, das Fenster bei einsetzender Dämmerung zu öffnen, damit die Tiere wieder ihren Weg nach draußen finden. Keinesfalls dürfen die gesetzlich geschützten Fledermäuse verletzt oder gar getötet werden. In Problemfällen mit Fledermäusen berät der ehrenamtlich tätige LINK Arbeitskreis Fledermausschutz in Siegen-Wittgenstein über sein Infotelefon .

Im Winterhalbjahr scheinen die Zwergfledermäuse in Siegen-Wittgenstein fast spurlos verschwunden. Nur vereinzelte, v.a. geschwächte Tiere werden dann registriert. Trotz diverser Winterquartierkontrollen durch ehrenamtliche Fledermausschützer ist der Winteraufenthaltsort der meisten heimischen Zwergfledermäuse nicht bekannt und kann nur vermutet werden. Ein Teil der heimischen Tiere überwintert in großen, z.T. mehrere tausend Individuen umfassenden Quartieren, wie den Katakomben im Marburger Schloss. Dies wurde durch beringte Tiere festgestellt, die im Spätsommer in heimischen Fledermauskästen abgelesen werden konnten.

Dass Zwergfledermäuse sehr nützliche Tiere sind, deren Bestände auch weiterhin erhalten bzw. gefördert werden müssen, zeigt z.B. die Tatsache, dass sie bis zu 2000 Insekten – insbesondere kleine Mücken, Fliegen oder Nachtschmetterlinge – pro Nacht vertilgen. Vor allem in der Forst- und Landwirtschaft, aber auch in heimischen Nutzgärten ist diese Form der natürlichen Insektenvertilgung nicht zu unterschätzen!