Die Biologische Station Siegen-Wittgenstein übernimmt die Betreuung der Naturerbefläche Trupbacher Heide

Blick vom „Kirrberg“ über die Trupbacher Heide, Foto Michael Frede
Blick vom „Kirrberg“ über die Trupbacher Heide, Foto Michael Frede

Von herber Schönheit, geprägt durch die Farben und Formen im Wechsel der Jahreszeiten, bietet die Trupbacher Heide zwischen Siegen und Freudenberg dem Besucher ein einmaliges Landschaftsbild. Gerade zur Heideblüte im Spätsommer zeigen die Flächen auf dem ehemaligen Standortübungsplatz ein Farbenspiel, wie man es aus den großen Heidegebieten der Senne oder bei Lüneburg kennt. All diesen Landschaften ist gemein, dass der Mensch maßgeblich zur Entstehung derselben beigetragen hat, ohne sich einstmals bewusst darüber zu sein, welch ökologisch wertvolles und landschaftlich reizvolles Nacherbe er damit übergeben würde.

Entstehung der Trupbacher Heide

Die Entstehung solch großflächiger Heidegebiete geht nicht auf ein Nachhaltigkeitsprinzip oder einen bewussten, rücksichtsvollen Umgang mit der Natur zurück. Vielmehr handelte es sich um sehr intensive Landnutzungsformen, die der Natur ein Übermaß an Ressourcen abverlangt haben, angefangen von der Waldrodung, über den sogenannten Plaggenhieb, bei dem die gesamte Pflanzenmasse aus der Fläche entnommen wurde, bis hin zur intensiven Weidewirtschaft oder dem Einsatz schwerer Militärfahrzeuge. Dadurch entzog man den Flächen so viele Nährstoffe, dass unter den Pflanzenarten nur noch sogenannte „Hungerkünstler“ überdauerten oder gefördert wurden. Einer dieser Hungerkünstler ist die Besenheide (Calluna vulgaris), jene Pflanze, der auch die Trupbacher Heide, ihren Namen zu verdanken hat.

Besenheide (Calluna vulgaris), Foto Michael Frede
Besenheide (Calluna vulgaris), Foto Michael Frede

Lebensraum für bedrohte Pflanzen und Tiere

Neben dem landschaftlichen und auch kulturhistorischen Wert besitzen die verbliebenen Heidegebiete heutzutage eine hohe Bedeutung für den Natur- und Artenschutz. Sie bieten vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum, wie man ihn in der heutigen übrigen Landschaft  nur noch selten anzutreffen vermag.

Die Hochflächen zwischen Alchen und Trupbach wurden durch die militärische Nutzung zwischen 1936 und 1993 zu Keimzellen für die verschiedensten nährstoffarmen Biotopkomplexe aus Borstgrasrasen, bodensaurem Magergrünland und Zwergstrauchheiden, welche mittlerweile mit besenginster- und birkenreichen Vorwaldgebüschen verzahnt sind. An den Talflanken der nach Süden entwässernden Bäche (Wickersbach, Trupbach) stocken überwiegend durchgewachsene ehemalige Eichen-Birken-Niederwälder, birken- und weidenreiche Vorwaldstadien sowie Fichtenforste unterschiedlicher Altersstadien. In den durch den Panzerfahrbetrieb verdichteten Bodenstellen haben sich Kleingewässer mit einer hohen Bedeutung für Amphibien und Libellen gebildet.

Unter den bisher im Gebiet festgestellten Tierarten befinden sich unter anderem 19 Brutvogel- und über 40 Schmetterlingsarten der Roten Liste Nordrhein-Westfalens.

Eine besondere Tierart ist die Heidelerche (Lullula arborea), für die die vegetationsoffenen und kurzrasigen Bereiche, z.B. entlang der Wege wichtige Habitatstrukturen bereit stellen. Die Trupbacher Heide beherbergt mit gegenwärtig zehn Revieren derzeitig die einzige verbliebene Population dieser Art im Siegerland. Neben der Heidelerche kommen noch 18 weitere landesweit gefährdete Brutvogelarten auf der Trupbacher Heide vor, die wie beispielsweise der Baumpieper (Anthus trivialis) hier recht hohe Siedlungsdichten erreichen.

Neben den Brutvögeln besitzt das Gebiet eine hohe Bedeutung für die Schmetterlingsfauna. Von den 40 gefährdeten Arten können an den wegbegleitenden Säumen, zum Beispiel der Dukaten- (Lycaena virgaurae) oder der Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea athalia) beobachtet werden.

Dukatenfalter (Lycaena virgaureae), Foto Peter Fasel
Dukatenfalter (Lycaena virgaureae), Foto Peter Fasel
Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea athalia), Foto Michael Gertz
Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea athalia), Foto Michael Gertz

Insgesamt wurden auf der Naturerbe-Liegenschaft bisher mindestens 44 Pflanzenarten der Roten Liste Nordrhein-Westfalens nachgewiesen, wovon 15 Arten im Naturraum Süderbergland als gefährdet oder stark gefährdet gelten. Zu nennen sind beispielsweise die Mondraute (Botrychium lunaria) sowie das Gemeine- und das Quendel-Kreuzblümchen (Polygala vulgaris und P. serpyllifolia).

Gemeines Kreuzblümchen (Polygala vulgaris), Foto Peter Fasel
Gemeines Kreuzblümchen (Polygala vulgaris), Foto Peter Fasel

Die Fledermausfauna wird gegenwärtig untersucht, wobei aber schon interessante Nachweise etwa von der Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) und vom Braunen Langohr (Plecotus auritus) gelungen sind.

Diese besondere Ausstattung mit seltenen Lebensräumen und deren Pflanzen- sowie Tiergemeinschaften waren auch Anlass, das Gebiet als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet an die EU zu melden und als Naturschutzgebiet auszuweisen.

Betreuung der Trupbacher Heide durch die Biologische Station

2015 wurde diese Liegenschaft der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) von der NRW-Stiftung als sogenannte Naturerbefläche übernommen.

Da es sich auf der Trupbacher Heide insbesondere um Lebensräume aus Menschenhand handelt, bedarf der Erhalt dieser Biotope eines naturschutzfachlichen Pflege- und Bewirtschaftungsmanagements sowie einer sorgfältigen Aufnahme und Bewahrung des Arteninventars. Dies wird seit 2015 durch die Biologische Station Siegen-Wittgenstein übernommen. Neben der naturschutzfachlichen Bewirtschaftung des Offenlandes durch die Schäferei Küthe im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms, sind für dessen Erhalt spezielle Pflegemaßnahmen erforderlich, wie sie bereits seit mehreren Jahren auf Initiative des NABU-Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein, der Biologischen Station sowie der Unteren Naturschutzbehörde durchgeführt wurden. Dazu gehören das regelmäßige Abschieben des Oberbodens zwecks Regeneration der Heidebestände, ebenso wie Entbuschungsmaßnahmen und die Besucherlenkung, damit sich sensible Tierarten wie die Heidelerche möglichst ungestört fortpflanzen können.

Abgeschobener Oberboden. Solch angelegten Rohbodenflächen sind ideal für die Regeneration von Heidebeständen und stellen gleichzeitig die beliebtesten Brutplätze und Nahrungsflächen für die Heidelerche bereit, Foto Peter Fasel
Abgeschobener Oberboden. Solch angelegten Rohbodenflächen sind ideal für die Regeneration von Heidebeständen und stellen gleichzeitig die beliebtesten Brutplätze und Nahrungsflächen für die Heidelerche bereit, Foto Peter Fasel
Im Rahmen des Kulturlandschaftsprogrammes werden die Offenlandbereiche durch eine Schaf- und Ziegenherde der Schäferei Küthe extensiv beweidet, Foto Peter Fasel
Im Rahmen des Kulturlandschaftsprogrammes werden die Offenlandbereiche durch eine Schaf- und Ziegenherde der Schäferei Küthe extensiv beweidet, Foto Peter Fasel

Die Waldflächen innerhalb der Naturerbefläche sollen sich zukünftig ohne forstwirtschaftlichen Einfluss entwickeln können. Hierdurch werden v.a. Tierarten gefördert, die auf eine hohe Dichte an Biotopbäumen oder reichlich Totholz angewiesen sind. Nutznießer dieser Wildnis-Strategie sind u.a. Spechte, Waldfledermäuse sowie an Totholz lebende Insekten. Diese Aufgabe wird in Abstimmung mit allen beteiligten Behörden und Institutionen federführend vom Bundesforst übernommen.

Zukünftiges Ziel auf der Trupbacher Heide ist es, zusammen mit der NRW-Stiftung als Eigentümerin, sowohl hinsichtlich des Natur- und Artenschutzes, aber auch in Hinblick auf die wichtige Erholungsfunktion des Gebietes besonders wertvolle Ausschnitte der siegerländer Kultur- und Naturlandschaft für zukünftige Generationen zu erhalten.