5. Bewirtschaftungs- und Pflegegrundsätze

Schäfer A. Küthe auf der Trupbacher Heide, Foto P. Fasel
Schäfer A. Küthe auf der Trupbacher Heide, Foto P. Fasel

Allgemein geltende Bewirtschaftungsbedingungen:

  • Verbot zusätzlicher Entwässerung
  • Verbot des Umbruchs und der Umwandlung von Grünland in Ackerland und des Pflegeumbruchs
  • Verbot der Veränderung der Bodengestalt, der Grund- und Oberflächenverhältnisse und des Bodenreliefs,insbesondere von Mulden, Senken und Geländerücken
  • Verbot der Erstaufforstung und der Anlage von Baumschul-, Weihnachtsbaum- und Schmuckreisigkulturen
  • Verbot der Veränderung von Biotopen und deren Umgebung sowie von Anlagen für den Natur- und Landschaftsschutz
  • Verbot der Veränderung von Gehölzbeständen ohne Zustimmung des Kreises
  • Verbot des Abbrennens der Bodendecke auf Acker- und Grünlandflächen (Flämmen)
  • Verbot des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln
  • Verbot der Durchführung eines Pflegeumbruchs
  • Sofern im Einzelfall keine anderweitige Regelung getroffen wird, sind jegliche Düngung sowie eine Kalkung unzulässig.
  • Brutvögel und deren Gelege dürfen nicht gestört, geschädigt oder vernichtet werden.
  • Grundsätzlich ist das Mulchen der Vertragsflächen nicht zulässig. Es darf nur gemulcht werden, wenn dies im Vertrag als einmalige Erstpflege ausdrücklich zugelassen wird oder die Biologische Station Siegen-Wittgensteinein Mulchen aus naturschutzfachlichen Gründen zulässt.
  • Eine maschinelle Bearbeitung (Schleppen) ist nur bis zum 01.04. eines Jahres erlaubt.
  • Eine Beweidung ist nur in der Zeit vom 15.04. bis 15.11. eines Jahres erlaubt, sofern auf den Folgeseiten kein anderer Zeitraum genannt ist. Eine Zufütterung von weidenden Tieren ist nicht erlaubt.
  • Eine maschinelle Bearbeitung (Schleppen) ist zum Schutz von Wiesenbrütern nur bis zum 1. April erlaubt. Die Bewilligungsbehörde kann bei Höhenlagen ab 400 m den Zeitraum für die zulässigen Pflegemaßnahmen (Schleppen, Walzen) grundsätzlich um 14 Tage verlängern, sofern dem naturschutzfachliche Gründe nicht entgegenstehen.
  • Mähgut und Strauchschnitt von Gehölzpflegemaßnahmen sind zu entfernen.
  • Das Ausbringen von Pflanzenbehandlungsmitteln ist nicht erlaubt.
  • Grundsätzlich ist eine Beweidung nur mit Rindern oder mit Schafen zulässig. Eine mögliche Beweidung mit Pferden auf hierfür geeigneten Standorten muss auf den Folgeseiten als spezielle Ausnahme erwähnt sein.
  • Ufer zu fließenden Gewässern dürfen nicht beeinträchtigt werden, insbesondere muss bei der Bewirtschaftung durch Mahd und Beweidung ein ausreichender Abstand zur Böschungsoberkante eingehalten werden. Ausnahmen können bei starkem Aufkommen von Neophyten von der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein zugelassen werden.
  • Das Mähgut von bisher nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen darf nicht zu Futterzwecken verwendet werden.
  • Die Fläche darf nicht kreisförmig von außen nach innen gemäht werden.
  • Bei einer Beweidung muss das Weidevieh so lange und in ausreichendem Umfang eingesetzt werden, bis der Aufwuchs weitgehend abgeweidet ist, um einer Verbrachung oder Verbuschung vorzubeugen.
  • Sofern nachfolgend Regelungen zum Nutzungsverzicht auf Saum-/Randstreifen getroffen werden, gilt Folgendes: Die Nutzungspflicht entfällt ohne Prämienminderung auf bis zu 5 m breiten Saum-/Randstreifen bzw. auf Inselninnerhalb der Fläche, sofern sie insgesamt nicht mehr als 5 % der Flächen einnehmen.
  • Die Lage der Saum-/Randstreifen bzw. Inseln auf der Fläche muss jährlich wechseln. Bei Saum-/Randstreifen von über 50 m Länge bzw. Inseln von über 500 m² Fläche ist jährlich abwechselnd eine Hälfte zu bewirtschaften.

White Galloway, Foto U. Siebel
White Galloway, Foto U. Siebel

Bewirtschaftung von Wiesen und Mähweiden

  • Wiesenflächen dürfen nicht vor dem 01.07. eines Jahres gemäht werden.Unterhalb von 400 m ü. NN kann in Einzelfällen die Mahd ab 15.6. eines Jahres vertraglich zugelassen werden, wenn auf den Flächen keine gefährdeten Brutvögel der Roten Liste nachgewiesen sind.
  • Das Mähgut ist abzutransportieren.
  • Abweichungen vom jährlichen Pflegerhythmus im Sinne einer späteren Mahd können festgelegt werden, wenn dies der Erhaltung des Biotoptyps dienlich ist. Dies gilt auch für Flächen über 500 m ü. NN, wenn Orchideenbestände oder das Vorkommen von bodenbrütenden Rote-Liste-Tierarten eine Verschiebung der Mahd nach dem 15.7. erfordern.
  • Der zweite Schnitt darf frühestens 6 Wochen nach der ersten Nutzung erfolgen.
  • Eine Nachbeweidung von Mähflächen ist in der Regel erst 6 Wochen nach dem ersten Schnitt, gegebenenfalls unter Vorgabe einer bestimmten Besatzdichte zulässig, wenn dies im Vertrag auch ausdrücklich so vereinbart ist. In der Regel ist die Nachbeweidung mit 2 GVE/ha, je nach Absprache mit der Bewilligungsbehörde frühestens ab 15.7. möglich.

Bentheimer Landschafe, Foto M. Frede
Bentheimer Landschafe, Foto M. Frede

Bewirtschaftung von Weideflächen

  • Es besteht Beweidungspflicht.
  • Eine Beweidung ist in der Regel in der Zeit vom 15.4. bis 15.11. eines Jahres zulässig. Ausnahmen bilden Großbeweidungsprojekte mit diesbezüglich vertraglichen Regelungen.
  • Eine Winterbeweidung zwischen 16.11. und 14.4. ist ausgeschlossen .Ausnahmen bilden Großbeweidungsprojekte mit diesbezüglich vertraglichen Regelungen.
  • Weideflächen sind unterhalb von 400 m ü. NN bis zum 1.7. eines Jahres und oberhalb von 400 m ü. NN bis zum 15.7. pro Weidegang mit einer maximalen Besatzdichte von bis zu zwei Großvieheinheiten (GVE) pro Hektar gleichzeitig zu beweiden:
    2 GVE entsprechen 2 Rinder von mehr als 2 Jahren oder 2 Pferde, die älter als 6 Monate sind oder
    14 Schafe oder Ziegen (14 Mutterschafen oder 14 Ziegen gleichzeitig bezogen auf einen Hektar Nutzungsfläche)
    Bei Fettweiden sind 3 GVE/ha oder 20 Schafe/ha gleichzeitig zulässig.
  • In Einzelfällen können auch bis zu 4 GVE/ha vereinbart werden.
  • Je nach Höhenlage kann nach dem 1.7. bzw. 15.7. die Besatzdichte erhöht werden.
  • Abweichend gilt für Wanderschäfer, dass kurzfristig auch eine deutlich höhere Besatzdichte ausnahmsweise zulässig ist, sofern im Gebiet keine gefährdeten Wiesenvögel (Braunkehlchen, Bekassine, Wachtelkönig, Wiesenpieper etc.) brüten und die Herde in lockerem Gehüt geführt wird.
  • Rotationsbeweidung in kleinen Koppeln oder Nachtpferchen ist wegen der dann eintretenden starken Trittwirkung und Kotkonzentration nicht gestattet.
  • Weitere Einschränkungen der Beweidungsdichte und -dauer können festgelegt werden, wenn dies aus naturschutzfachlichen Gründen (z. B. Brut einer gefährdeten Vogelart, Erhaltung von Orchideen) oder zur Erhaltung der Biotoptypen Kleinseggenried, Großseggenried, Trockene Heide, Feuchtheide, Moor, Silikattrockenrasen, Kalkhalbtrockenrasen, Schwermetallrasen und Borstgrasrasen erforderlich ist.
  • Das Ausmähen von Weideflächen soll, sofern keine abweichenden Regelungen im Vertrag genannt werden, erst ab Mitte Juli und nur sektoral erfolgen.
  • Altgrasstreifen und Gras bzw. Staudenhorste sind zu erhalten.

 

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