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Erstes „Wolfsgebiet“ in NRW ausgewiesen

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In Nordrhein-Westfalen wurde durch das Umweltministerium mit Wirkung zum 01.10.2018 erstmals ein „Wolfsgebiet“ ausgewiesen – das „Wolfsgebiet Schermbeck“. Nähere Informationen finden Sie hier!
Auch im Kreis Siegen-Wittgenstein sind vereinzelt schon Wölfe gesichtet worden. Eine Familie (Rudel genannt) hat sich bisher bei uns noch nicht angesiedelt.

Was ist wichtig zu wissen? – Zunächst einmal: Ruhe bewahren, sachlich bleiben und sich informieren. Dabei möchten wir Ihnen helfen!

Wölfe sind – wenn auch für uns ungewohnt – Bestandteil unserer Tierwelt, genau so wie Rehe, Rothirsche, Wildschweine, Füchse und all die anderen zwei- und vierbeinigen Wildtiere. Wölfe wurden in der Vergangenheit aber gnadenlos verfolgt und hierzulande ausgerottet. Seit rund 150 Jahren Abwesenheit kommt der Wolf nun in seine angestammte Heimat zurück. Im Jahr 2000 wurden die ersten Wolfswelpen in der Oberlausitz geboren.

Über die Ausbreitung und die aktuellen Territorien informiert die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW).

Wölfe sind nicht die blutrünstigen Bestien, als die sie leider immer noch dargestellt werden. Bedenken Sie, dass unsere Haushunde eng verwand mit ihnen sind, sie gelten sogar als Unterart Canis lupus familiaris des Wolfes Canis lupus (Canidae“ ist die wissenschaftliche Bezeichnung für Hunde, die zusammen mit Füchsen, Schakalen und Kojoten zu den „Hundeartigen“ zählen). Man weiß nicht genau wann es war, aber Menschen haben sich schon vor mehr als 10.000 Jahren mit Wölfen zusammen getan. Das konnte funktionieren, weil beide Arten – also Menschen und Wölfe – ähnliche soziale Bindungen aufbauen. Wölfe haben einen großartigen Familiensinn. Verletzte Familienmitglieder werden wochenlang mit Nahrung versorgt. Und Wölfe trauern, wenn ein Sozialpartner stirbt.

Eine Wolfsfamilie, das sogenannte „Rudel“, besteht aus dem Elternpaar und den Welpen aus zwei Jahren. Die Welpen werden im Frühling geboren (daher beginnt das „Wolfsjahr“ im Mai). Die Welpen aus dem Vorjahr spielen zum einen Kindermädchen während die Altwölfe auf die Jagd gehen, und zum anderen müssen sie auch lernen, sich selbst zu versorgen. Denn im dritten Jahr geht es auf Wanderschaft, um irgendwo selbst ein Revier zu besetzen und eine Familie zu gründen. Das sind dann die Wölfe, die im Frühjahr in Erscheinung treten. Sie sind noch sehr unerfahren (Günther Bloch, der bekannte Autor sowie Hunde- und Wolfsexperte, nennt sie „Schnösel“) und auch noch verspielt.

Diese Wölfe müssen lernen, Menschen zu meiden. Daher die Bitte: Den Anblick einen Moment genießen, vielleicht ein Belegfoto machen (für´s LANUV ) und dann Krach schlagen – siehe weitere Informationen dazu unten.

Heutzutage sind Wölfe unter den höchst-möglichen Schutz gestellt, damit sich wieder eine überlebensfähige Population etablieren kann. Trotzdem werden Wölfe immer wieder illegal erschossen. Dies ist eine Straftat und kann mit hohen Geldstrafen und sogar mehrjährigen Gefängnisstrafen geahndet werden. Wir sind – anders als in anderen europäischen Ländern – nicht mehr an die Anwesenheit von Wölfen und an ein Zusammenleben mit ihnen gewöhnt. Um aufkommende Fragen zu beantworten und eventuellen Ängsten und Vorurteilen entgegenzutreten, möchten wir Ihnen Informationen und eine Auswahl weiterführender Links an die Hand geben. Denn die Zukunft der Wölfe in Deutschland hängt entscheidend davon ab, ob die Bevölkerung – also wir alle – diese faszinierenden Tiere akzeptieren und wieder den richtigen Umgang mit ihnen lernen.

Beim LANUV (Landesamt für Natur Umwelt und Verbraucherschutz NRW) gibt es einen Arbeitskreis „Wolf in NRW“. Dessen Ziel ist es Konzepte zu erarbeiten, die das Nebeneinander von Mensch und Wolf gewährleisten sollen. Ansprechpartner ist Dr. Matthias Kaiser, Leibnizstr. 10, 45659 Recklinghausen, Telefon 02361/305-3311, E-Mail: matthias.kaiser(at)lanuv.nrw.de

Einige informative Internet-Seiten gibt es mittlerweile zu unseren deutschen Wölfen:

Wolf in NRW, Seite des LANUV mit allen aktuellen Informationen über den Wolf in Nordrhein-Westfalen
Kontaktbüro Wölfe in Sachsen hat weitreichende Aufgaben, es ist die offizielle Informationsstelle zum Thema Wolf für Bevölkerung, Medien und Behörden
Wolfsmonitor mit aktuellen Nachrichten und zahlreichen weiteren Links
Wölfe in Rheinland-Pfalz, informative und übersichtliche Internetseite zum Thema Wolf
Der Wolf ist zurück in Deutschland, Seite des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
Wolfsite von Ulrich Wotschikowsky mit vielen Informationen rund um Wölfe und aktuellen Nachrichten und Artikeln
Der Wolf kommt nach Hause, Seite vom Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)

Was mache ich, wenn ich einem freilebenden Wolf begegne?

Ganz wichtig: Menschen gehören nicht zum Beutespektrum der Wölfe. Meistens würden Sie einen Wolf gar nicht bemerken, denn Wölfe sind überaus vorsichtig und meiden die Menschen. Falls Sie trotzdem einen Wolf sehen sollten: Ruhe bewahren, nicht wegrennen und auch nicht hinterher laufen. Junge Wölfe, also die Schnösel, sind neugierig und verspielt und können Interesse an Menschen zeigen. Das ist normal! Das Tier dann – nach einem kurzen Naturgenuss – am besten verscheuchen. Und bitte: Auf gar keinen Fall und unter gar keinen Umständen Wölfe mit Futter anlocken!!! Das ist gefährlich, vor allem für den Wolf. Sucht der nämlich gezielt die Nähe von Menschen, weil er sich Futter verspricht, und verliert er gar die Scheu, ist er i. d. R. ein Todeskandidat. Denn bevor Menschen durch einen solchen Wolf zu Schaden kommen könnten, muss der betreffende Wolf abgeschossen werden.

Links dazu:
Vom WWF wurde eine Broschüre erstellt „Leitfaden Lernen mit dem Wolf zu leben“, die hier heruntergeladen werden kann.
Das Land NRW hat einen sogenannten „Wolfsmanagement-Plan“ erstellt. Der aktuelle Plan soll helfen, die Zuwanderung von Wölfen möglichst konfliktfrei zu ermöglichen und ist speziell ein Handlungsleitfaden für das Auftauchen einzelner Wölfe.

Sollte ich  eine Wolfssichtung melden?

Ja, auf jeden Fall. Das ist wichtig, um die Bestandssituation der Wölfe einschätzen zu können.
Bei der Nachrichtenbereitschaftszentrale des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) können rund um die Uhr alle Luchs- und Wolfssichtungen gemeldet werden:
Telefon:  werktags unter 02361 305-0 oder außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende unter: 0201 714488

Müssen Weidetiere besonders geschützt werden?

Ein klares „Ja“ , vor allem für  wenig wehrhafte Tiere. Bislang bestand nur die Notwendigkeit, Weidetiere am Ausbrechen zu hindern, nun aber besteht die große Herausforderung, die Weidetiere zusätzlich vor Übergriffen von außen zu schützen. Wölfe sind – wie wir Menschen – Opportunisten und werden schwer widerstehen können, wenn ihnen der Jagderfolg auf dem Silbertablett serviert werden sollte. Daher sind Tierhalterinnen und Tierhalter, die ihren Tieren Weidehaltung gönnen, besonders gefordert und betroffen und werden vom Land NRW unterstützt, spätestens dann, wenn sich eine Wolfsfamilie in der Umgebung angesiedelt hat. Aufgrund ihrer Größe und nur eingeschränkten Wehrhaftigkeit müssen vor allem für Schafe und Ziegen Präventionsmaßnahmen ergriffen werden. Dies ist zunächst natürlich für die Weidetiere wichtig, die sich weder adäquat wehren können noch eine Fluchtmöglichkeit aus ihrer eingezäunten Weide haben. Aber es besteht auch eine Verantwortung den Kolleginnen und Kollegen gegenüber. Wenn nämlich Wölfe auf einer ungeschützten Weide leicht Beute machen konnten, werden sie es auch woanders versuchen.

Herdenschutz

Mit welchen Mitteln Weidetiere vor Wolfsübergriffen geschützt werden können, dazu  gibt es im Internet zahlreiche Informationen, hier eine Auswahl:
Freundeskreis freilebender Wölfe bietet allgemeine Informationen und auch speziell zum Herdenschutz
Wölfe und Herdenschutz von der Umweltstiftung WWF Deutschland („World Wide Fund For Nature“, auf Deutsch „Welt-Naturstiftung“).
Leitfaden Pferd und Wolf  vom Arbeitskreis „Pferd und Wolf“, darin haben sich Experten vom NABU, der Pferdeland Niedersachsen GmbH, dem AG Herdenschutzhunde und dem Trakehner Verband mit Wissenschaftlern der Universität Hildesheim zusammengetan

Dass geeigneter Herdenschutz erfolgreich sein kann, zeigt die Schadens-Statistik Sachsen von 2002 bis 2006, die Sie hier aufrufen können.

Infos speziell zu Herdenschutzhunden:

AG Herdenschutzhunde gibt Informationen zu Haltung und Einsatz von Herdenschutzhunden und bietet auch Schulungen an
Herdenschutzhundhilfe und-rassen gibt einen groben Überblick über die verschiedenen Herdenschutzhunde-Vertreter
Hier finden Sie u. a. einen Artikel über einen Schäfer, der Herdenschutzhunde einsetzt: Wirksame Abschreckung
Ein weiterer Artikel über den Einsatz von Herdenschutzhunden: Schafe auf der Weide

An wen kann ich mich als Tierhalterin oder Tierhalter „im Ernstfall“ wenden?

Im Kreis Siegen-Wittgenstein sind Wolfsberater/innen im Einsatz:
Jörg Bürger Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein Mühlbach 5, 57319 Bad Berleburg, Telefon: 02755 224555 oder 0171 5871570, Email: joerg.buerger@wald-und-holz.nrw.de
Matthias Mennekes Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein Elberndorf 2, 57339 Erndtebrück Erndtebrück, Netphen und Hilchenbach, Telefon: 02753 598140 oder 0171 5871562, Email: matthias.mennekes@wald-und-holz.nrw.de
Nicole Skrebutis Wittgensteiner Land (bei Nutztieren Kreisgebiet),Telefon: 02755 968045 oder 0175 5697958, Email: skrebutis@freenet.de

Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW stellt Herdenschutzsets zur Verfügung.

Die Herdenschutzsets mit Elektrozaun, Weidezaungerät und Fotofalle zum Schutz vor Wolfsangriffen auf Schafe und andere Nutztiere können bei Bedarf kurzfristig, unentgeltlich und schnell ausgeliehen werden. Sie sind mit Beratung durch den NRW-Schafzuchtverband angeschafft worden und stehen allen Nutztierhaltern (auch Hobbyhaltung) zur Verfügung. Ein Transport ist in einem großräumigen PKW bzw. mit einem Anhänger möglich. Das Herdenschutzset für Ostwestfalen-Lippe wurde im November 2015 durch 1.000 Meter Lappenzaun ergänzt.

Ansprechpartner für die Herdenschutzsets im Sauerland: Werner Schubert, Biologische Station Hochsauerlandkreis, Telefon: 02977 1524 oder 0170 3462982
Ansprechpartner für das Herdenschutzset in Ostwestfalen-Lippe: Norbert Schmelz, Regionalforstamt OWL im Forstbetriebsbezirk Stemwede, Telefon: 05745 1880 oder 0171 5873567
Ansprechpartner für das Herdenschutzset im Oberbergischen Kreis: Michael Schmitz, NABU-Oberberg, Geschäftsstelle Wiehl, Telefon: 02262 712728 oder 0163 3685123

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