Albrecht Belz und die Biologische Station im Kreis Siegen-Wittgenstein

Mit Bestürzung erfuhren der Verein zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft im Kreis Siegen-Wittgenstein e.V. und die von ihm getragene Biologische Station Siegen-Wittgenstein im Dezember 2017 vom Tod des langjährigen Vorstandsmitglieds Albrecht Belz.

Aus der Geschichte der Biologischen Station im Kreis Siegen-Wittgenstein sind Albrecht Belz und sein unermüdlicher Einsatz für die heimische Natur nicht wegzudenken.

Gemeinsame botanische Exkusion von Albrecht Belz und Peter Fasel ins NSG Bärenkaute bei Erndtebrück im Jahr 2005, Foto Peter Fasel
Gemeinsame botanische Exkusion von Albrecht Belz und Peter Fasel ins NSG Bärenkaute bei Erndtebrück im Jahr 2005, Foto Peter Fasel

Die Wurzeln der Biologischen Stationen in Nordrhein-Westfalen sind in den 1980er Jahren zu finden, als die Landespolitik erstmals das Projekt eines landesweiten Biotopverbundes mit dem Ziel definierte, mehr als 11 Prozent der Landesfläche als „Gebiete zum Schutz der Natur“ auszuweisen. Man wollte diese politische Neuorientierung aber nicht nur durch die bloße Schutzgebietsausweisung mit entsprechenden Ver- und Geboten erreichen, sondern mit engeren Kooperationen zwischen haupt- und ehrenamtlichem Naturschutz und Landbewirtschaftern für mehr Akzeptanz und langfristige Schutzstrategien sorgen. Die Einrichtung Biologischer Stationen war ein wichtiges Element zur Umsetzung dieser Leitidee.
Albrecht Belz war einer der Ersten im heimischen ehrenamtlichen Naturschutz, der sehr schnell erkannte, dass auch die Einrichtung einer Biologischen Station im Kreis Siegen-Wittgenstein eine große Chance darstellen könnte.

Deshalb suchte Albrecht Belz, der damals auch Mitglied im Kreistag Siegen-Wittgenstein war, gemeinsam mit Vertretern der Kreisverwaltung, der Naturschutz- und Landwirtschaftsverbände nach Möglichkeiten, eine solche Einrichtung in unserer Region zu etablieren. Sein gutes persönliches Verhältnis zum damaligen Oberkreisdirektor Karl-Heinz Forster kam ihm und seiner Idee dabei zugute.

Die Rahmenbedingungen für die neue Station und den dafür notwendigen Trägerverein wurden mit dem damals zuständigen Landesministerium und der damaligen Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten NRW (LÖBF) – einem Vorläufer des heutigen LANUV NRW – erörtert und geklärt.

Erfassung der Fledermäuse im Heinsberger Tunnels 2004 mit Albrecht Belz (daneben v.l. Volker Hartmann, Myriam Götz, Henning Vierhaus, Jan. Sven und Sabine Portig, Stefan Tietjen) Foto Michael Frede
Erfassung der Fledermäuse im Heinsberger Tunnels 2004 mit Albrecht Belz (daneben v.l. Volker Hartmann, Myriam Götz, Henning Vierhaus, Jan. Sven und Sabine Portig, Stefan Tietjen) Foto Michael Frede

Am 17.11.1989 kam es schließlich zur Gründung des „Vereins zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft im Kreis Siegen-Wittgenstein e.V.“. Albrecht Belz wurde nicht nur Mitglied im neu gegründeten Trägerverein sondern man wählte ihn auch zu einem der beiden stellvertretenden Vorsitzenden.

Am 01.09.1990 nahm die Biologische Station Rothaargebirge schließlich ihre Arbeit auf.

Auch an der Auswahl des wissenschaftlichen Leiters der Biologischen Station war Albrecht Belz 1991 beteiligt.
Als kleine Anekdote am Rande machte er noch Jahre danach keinen Hehl daraus, welche Voraussetzungen für ihn bei der Auswahl des zukünftigen Stelleninhabers eine Rolle gespielt hätten. So seien ihm z. B. Bewerber mit Krawatten während der Vorstellungsgespräche verpönt gewesen.

Albrecht Belz beim Tümpelgraben mit der NABU-Kindergruppe 2006 im Feuchtgebiet Lützel, Foto Michael Frede
Albrecht Belz beim Tümpelgraben mit der NABU-Kindergruppe 2006 im Feuchtgebiet Lützel, Foto Michael Frede

In den folgenden 16 Jahren konnte die Biologische Station außerordentlich stark von seinem profunden regionalen Naturwissen und Tausenden an Tier- und Pflanzendaten profitieren, die er in jahrelanger, akribischer Arbeit erfasste. Neben seiner stellvertretenden Vorstandstätigkeit im Trägerverein beteiligte sich Albrecht Belz regelmäßig an den Projekten der wissenschaftlichen Mitarbeiter. Diese schlossen u.a. Artenkartierungen wie Fledermaus-, Libellen-, Amphibien-, Reptilien- und Pflanzenerfassungen, aber natürlich auch die Unterstützung bei der Erstellung von Pflegeplänen und anderweitigen Veröffentlichungen mit ein. So schrieb er z.B. federführend mit Peter Fasel (dem Leiter der Biologischen Station) und Anna Peter das legendäre und mittlerweile längst vergriffene Sonderheft „Die Farn- und Blütenpflanzen Wittgensteins“ aus der Reihe „Beiträge zur Tier- und Pflanzenwelt des Kreises Siegen-Wittgenstein“.

Am 15.3.2006 schied Albrecht Belz schließlich auf eigenen Wunsch als stellvertretender Vorsitzender des „Vereins zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft im Kreis Siegen-Wittgenstein e. V.“ aus.

Leider waren ihm danach nur noch wenige Jahre der Zusammenarbeit mit der Biologischen Station vergönnt, bis seine zunehmende Erkrankung diese schließlich unmöglich machte.

Mit Albrecht Belz ist ein oft unkonventionell denkender Mensch und unermüdlicher Naturschützer und Naturkundler von uns gegangen, der seinesgleichen sucht. Wir werden ihn stets in guter Erinnerung behalten.

Die Mitglieder und der Vorstand des Vereins zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft im Kreis Siegen-Wittgenstein e.V. und die Mitarbeiter der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein trauern mit den Angehörigen um Albrecht Belz.

Michael Frede, Biologische Station Siegen-Wittgenstein