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Erlebnisreiche Nacht

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Obwohl es nicht der erste Besuch in der Kapellenschule in Wiederstein war, dürften die jungen und älteren Fledermausfreunde die Veranstaltung der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein mit dem Heimatverein Wiederstein bestimmt nicht so schnell vergessen. Denn schon bevor die Jagd auf Fledermäuse mit Detektor und Taschenlampe startete, mussten knifflige Fragen zur Biologie der nächtlichen Kobolde beantwortet und spannende Jagdflüge spielerisch in Szene gesetzt werden. Keine Langweile gab’s auch nach dem Dunkelwerden in der Kapellenschule und anschließend im Mischebachtal mitten unter vielen jagenden Fledermäusen.

Marcel Weidenfelder auf der Fledermausveranstaltung in Wiederstein, Foto P. Fasel

Marcel Weidenfelder auf der Fledermausveranstaltung in Wiederstein, Foto P. Fasel

Der museale alte Dorfkern mit seinen holzverkleideten Siegerländer Fachwerkhäusern, eine 250 Jahre alte Kapellenschule mit Glockenturm, Wiesen mit naturnahen Bachläufen von Heller- und dem Mischebach, Bergwerksstollen und kleine Halden könnten gut Kulisse für einen Fledermausfilm darstellen. Als Einstieg informierten Marcel Weidenfeller vom Arbeitskreis Fledermausschutz im Westerwald und Peter Fasel von der Biologischen Station vor den über 50 Veranstaltungsteilnehmern über diese eigenartige Säugetiergruppe, über Erkennungsmerkmale, Biologie, Ernährung sowie den Aufenthalt der akrobatischen Insektenjäger im Jahresverlauf. Hierzu gehören auch die Winterverstecke in frostfreien Stollen oder Kellern. Nur im Sommer werden zur Aufzucht ihrer Jungen holzverkleidete Gebäude oder hohle Bäume aufgesucht. Die alte Kapellenschule bot eine gute Kulisse für den Einstieg ins Thema. Besonders lebhaft verliefen die Fangspiele, bei denen einzelne Kinder mit einem Dracula-Umhang bekleidet und mit verbundenen Augen die in einem Kreis laufenden Teilnehmer fangen mussten. Hierbei ging es um das Erlernen der Jagdstrategie mit verbundenen Augen.

Fledermausfangspiel in Wiederstein, Foto P. Fasel

Fledermausfangspiel in Wiederstein, Foto P. Fasel

Zur nächsten Etappe führten die Herr Hebel und Bäcker vom Heimatverein die Gruppe auf den Speicher der Kapellenschule. Die Überraschung war perfekt: unterm Dachfirst hingen im Schein einer Taschenlampe erkennbar diesmal eine ganze Gruppe Brauner Langohren und darunter auch mehrere diesjährige Jungfledermäuse. Nach einer anschließenden kurzen Wanderung kamen Fledermaus-Detektoren auf der Brücke des Mischebaches  zum Einsatz. Sie wandeln Ultraschalllaute jagender Fledermäuse in hörbare Frequenzen um. Die Geräte standen kaum still, denn permanent überflogen Fledermäuse die Brücke.

Wochenstube des Braunen Langohrs in der Kapellenschule Wiederstein, Foto P. Fasel

Wochenstube des Braunen Langohrs in der Kapellenschule Wiederstein, Foto P. Fasel

Ein Teil der Gruppe machte anschließend noch eine Wanderung zum Weiher des Angelsportvereins, wo zufällig ein Nachtangeln stattfand. Da der Angelsportverein wieder ein Betreten des Geländes zugesagt hatte, bot das schwüle Wetter reiche Beute sowohl für die Forellen wie auch für Fledermäuse und andere nachtaktive Insekten. Auch hier gab‘s wieder im Schein der Taschenlampen jagende Fledermäuse zu sehen. Die Detektoren erlauben sogar Fledermausarten an den arteigenen, knatternden Rufen zu unterscheiden. Während Wasserfledermäuse zunächst gleichmäßig ortend über die Wasseroberfläche flogen, erhöhten sie die Frequenz gut hörbar mit zunehmender Annäherung an die reichlich fliegenden Mücken und Eintagsfliegen. Für Kinder wie Erwachsene war es wieder ein erlebnisreicher Abend und die Fledermäuse haben sicher viele neue Freunde gewonnen.

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