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Filmtipp: Das grüne Herz Westfalens – Ein Wald im Wandel

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Das grüne Herz Westfalens – Ein Wald im Wandel

Ein Film von Katja Debus und Katrin Buhbut

WDR, 09. April 2021, 20:15 Uhr
Schon jetzt in der WDR Mediathek.

Siegen-Wittgenstein – der waldreichste Kreis in ganz Deutschland. Fast Dreiviertel sind von Wald bedeckt. Hier kommen auf jeden Bewohner rund 3000 qm Wald. Das gibt es sonst in keiner anderen Region. Die Menschen hier leben seit Jahrhunderten von und mit dem Wald. Er ist Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten, Rückzugsgebiet aber auch Wirtschaftsfaktor für tausende von Waldbesitzern. Doch der Wald ist in Gefahr: der Klimawandel – Hitze, Trockenheit, Stürme – und vor allem der Borkenkäfer machen ihm das Überleben schwer.

Ein WDR-Team rund um die Filmemacherin Katja Debus hat einen Sommer in den Wäldern des Rothaargebirges zwischen Sauerland im Norden und dem Westerwald im Süden  miterlebt und Menschen kennengelernt, die ihre ganze Kraft dafür einsetzen, den Wald gesünder und stärker zu machen, um ihn für die Zukunft zu erhalten. Menschen wie die junge Försterin Ann-Sophie  Bilsing, die seit vergangenem Jahr ein eigenes Revier im Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein betreut. Menschen, wie den Forstingenieur Adrian Busch. Er setzt auf „Waldwirtschaft 4.0“ und hat die digitale Technik in den Wald gebracht. Sie macht es möglich, zu fällende Bäume genau zu erfassen und die mächtigen Harvester exakt und damit waldschonender zu steuern.

Das Filmteam hat im Rothaargebirge auch Kaja Heising getroffen. Sie koordiniert ein Projekt, dessen Ziel es ist, ganz besondere Tiere hier anzusiedeln: Wisente. Einst durchstreiften die Wildrinder die Wälder in ganz Europa, doch seit 100 Jahren galten sie in Freiheit als ausgestorben; nur in Zoos und Gehegen lebten noch wenige Tiere. 2013 wurden acht Wisente in Siegen-Wittgenstein ausgewildert; heute ist diese einzige freilebende Wisentherde Westeuropas  auf zwei Dutzend Tiere angewachsen. Weitere Tiere leben in einem eingezäunten Gehege am Rothaarsteig.

Die Menschen von Siegen-Wittgenstein haben seit Jahrhunderten ihre Spuren hinterlassen im Wald – sie haben ihn bearbeitet, gerodet und wieder aufgeforstet. Als Waldgenossenschaften in der traditionellen Haubergswirtschaft, die den Brennstoff lieferte für die vielen Eisenhütten der Region. In den benachbarten Fürstenwäldern Wittgensteins setzte man dagegen auf die schnell und gerade wachsenden Fichten. Sie lieferten das perfekte Bauholz für die industrielle Verarbeitung. Doch gerade diese Fichten leiden jetzt besonders unter Trockenheit und Borkenkäfer. Der Wald muss sich wandeln, um zu überleben.

Doch die Wälder Siegen-Wittgensteins stehen nicht zum ersten Mal vor einer großen Herausforderung: Der Blick in einen jahrhundertealten Forstatlas aus dem Archiv der fürstlichen Rentkammer zeigt: Schon vor fast 300 Jahren war der Wald in weiten Teilen der Region fast verschwunden. So kommt der Name „Rothaargebirge“ von „Rod Hardt“ – „Gerodeter Bergwald“. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren weite Flächen kahlgeschlagen, unter anderem weil das Geld aus dem Holzverkauf für die Reparationszahlungen an die Alliierten gebraucht wurde. Damals schlug in ganz Deutschland die Stunde der „Kulturfrauen“. Sie forsteten auf, wo der Kahlschlag leere Flächen hinterlassen hatten – waren sozusagen die „Trümmerfrauen“ der Wälder. Dafür wurde ihnen ein kleines „Denkmal“ gesetzt: Das Bild auf der Rückseite der ehemaligen 50 Pfennig Münze zeigt eine Kulturfrau mit einem jungen Baumschößling. Zwei dieser Kulturfrauen arbeiten immer noch im Fürstenwald der Familie Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Das WDR Team hat Elke Bäcker-Heuel und Iris Imhof beim Pflanzen im Wald getroffen.

Redaktion: Monika Pohl
Foto: Marc Francke

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