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Höhenvieh und Magerwiese – Biologische Vielfalt durch seltene Nutztierrassen

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Am Freitag, den 10. Juni 2016 fanden sich knapp 30 Personen bei bestem Wanderwetter am Gemeindehaus Benfe ein, zu einer von der Biologischen Station und dem Biohof Six (Litzelhof) angebotenen, naturkundlich-landwirtschaftlichen Führung durch den Benfer Grund.

Exkursion Biologische Station und Biohof Six in Benfe, Foto M. Frede

Exkursion Biologische Station und Biohof Six in Benfe, Foto M. Frede

Nachdem Michael Frede und Sabine Portig (Biologische Station), sowie Achim- und Sandra Six (Biohof Six) die Teilnehmer begrüßt hatten, machte sich die Exkursionsgruppe, nach einer kurzen Einführung zum geplanten Verlauf der Veranstaltung, auf den Weg in den Benfer Grund.

Exkursion Biologische Station und Biohof Six in Benfe, Foto Michael Frede

Exkursion Biologische Station und Biohof Six in Benfe, Foto Michael Frede

Wenige Hundert Meter später stellte Sabine Portig die naturschutzfachliche Bedeutung des Benfetales vor, welches Bestandteil des FFH-Gebietes Rothaarkamm und Wiesentäler und des gleichnamigen Naturschutzgebietes ist. Insbesondere die artenreichen Mähwiesen des Hügellandes, Bergmähwiesen, Borstgrasrasen, Pfeifengraswiesen und feuchte Hochstaudenfluren mit seltenen Tier- und Pflanzenarten, wie Waldläusekraut, Arnika, Braunkehlchen und Wiesenpieper machen den Schutzwert des Gebietes aus. Dieser Wert wird mit Hilfe einer nachhaltigen, Bewirtschaftung durch sieben heimische Landwirte unter Koordination der Biologischen Station aufrecht erhalten.

Sabine Portig machte die Exkursionsteilnehmer insbesondere auf die Vielfalt an Gräsern im Grünland aufmerksam. Wie bedeutend die Gräser für die Existenz des Menschen sind, zeigt, die Tatsache, dass die globale Ernährung der modernen Menschen ohne Getreide, Reis oder Mais nicht funktionieren würde. Achim Six erklärte zudem die landwirtschaftliche Bedeutung einiger Futtergräser für die Viehhaltung.

Sabine Portig, Foto Michael Frede

Sabine Portig, Foto Michael Frede

Anschließend wurde die Exkursion durch das abwechslungsreiche Mager- und Feuchtgrünland entlang der Benfe fortgesetzt. Michael Frede erläuterte die Bedeutung der extensiven Flächenbewirtschaftung im Rahmen des Vertragsnaturschutzes. Momentan bewirtschaften sieben Landwirte den Großteil des artenreichen Grünlandes um Benfe auf freiwilliger Basis im Rahmen des Kulturlandschaftsprogrammes. Für die zwischen der Biologischen Station und den betreffenden Landwirten ausgehandelten Bewirtschaftungsverträge erhalten die Bewirtschafter jährlich eine finanzielle Zuwendung aus Fördermitteln der EU und des Landes NRW. Auch der Kreis Siegen-Wittgenstein beteiligt sich, wie die meisten Kreise in NRW, z. T. an dieser finanziellen Förderung. Außerdem ist dieser für die Erstellung der Verträge zuständig. In der Regel werden die Wiesen insbesondere zum Schutz der hier vorkommenden Wiesenbrüter nicht vor Juli gemäht. Auch die Beweidungsdichte ist genau geregelt und übersteigt in der Regel nicht 2 Kühe pro Hektar.

Bullen vom Roten Höhenvieh, Biobetrieb Six, Foto Michael Frede

Bullen vom Roten Höhenvieh, Biobetrieb Six, Foto Michael Frede

Achim Six der ebenfalls bereits knapp 20 Jahre Vertragsnehmer im Rahmen des Kulturlandschaftsprogrammes ist und derzeitig ca. 11 Hektar im Rahmen selbigen Programmes bewirtschaftet, zeigte den Exkursionsteilnehmern sein Rotes Höhenvieh, eine vom Aussterben bedrohte, ehemals zwischen Vogtland und Harz verbreitete, regionaltypische Rinderrase mit momentan weltweit nur noch ca. 1300 Individuen. Ehemals als sogenanntes Dreinutzungsrind (Milch- und Fleischerzeugung sowie als Zugtier) im Einsatz, dient das Rote Höhenvieh heute vornehmlich der Fleischerzeugung. Achim Six hält diese genügsamen, intelligenten Rinder vornehmlich auf den sehr extensiv genutzten, tier- und pflanzenartenreichen Grünlandflächen des familieneigenen Betriebes und erzielt dadurch eine hervorragende Fleischqualität.

Kreuzblümchen, eine typische Art der Borstgrasrasen. Foto Michael Frede

Kreuzblümchen, eine typische Art der Borstgrasrasen. Foto Michael Frede

Sabine Portig zeigte den Teilnehmern die in Benfe vorkommenden, europaweit besonders gefährdeten Borstgrasrasen. Neben dem namensgebenden Borstgras, konnten mit Hirsesegge, Kreuzblümchen und Teufelsabbiss einige seltene Arten dieses düngeempfindlichen Lebensraumtyps vor Ort entdeckt werden.

Frisch geschorene Moorschnucken vom Biohof Six, Foto Michael Frede

Frisch geschorene Moorschnucken vom Biohof Six, Foto Michael Frede

Nachdem die Gruppe ein gutes Stück weitergewandert war, stellte Achim Six die auf einer Pfeifengraswiese weidenden Moorschnucken des Litzelhofs vor, eine weitere, vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse. Diese ebenfalls sehr genügsamen Schafe können ohne Probleme auch auf sehr feuchten Flächen wie Niedermooren, Pfeifengraswiesen und feuchten Borstgrasrasen gehalten werden, da sie nicht zu der von Schafshaltern gefürchteten Moderhinke neigen.

Fütternde Wiesenpieper entlang des Weges. Foto Michael Frede

Fütternder Wiesenpieper entlang des Weges. Foto Michael Frede

Nicht weit von der Schafweide entfernt, machte Michael Frede auf im Benfer Grund vorkommende, besonders seltene Wiesenbrüter aufmerksam. Neben dem im Mai aus den afrikanischen Winterquartieren zurückkehrenden Braunkehlchen, kommt hier noch der in Westeuropa und im Mittelmeerraum überwinternde Wiesenpieper als Brutvogel vor. Leider werden beide Arten durch die europaweit immer intensivere Landwirtschaft erschreckend schnell zurückgedrängt, sodass sie mittlerweile auf den Roten Listen der gefährdeten Brutvogelarten als vom Aussterben bedroht eingestuft werden. Leider bekommt auch die Benfer Population den europaweiten Rückgang zu spüren, da die Bestände auch im gesamten Benfetal mit derzeitig ca. 4 Braunkehlchen- und ca. 6 Wiesenpieperrevieren um etwa die Hälfte zurückgegangen sind. Andernorts bereits verschwunden, konnten beide Arten jedoch vor Ort mit Hilfe des Vertragsnaturschutzes und durch Pflegemaßnahmen in Zusammenarbeit zwischen NABU und Biostation vor dem endgültigen Aus bewahrt werden.Die Biologische Station und der NABU Siegen-Wittgenstein führen momentan im Auftrag der Vogelschutzwarte NRW eine kreisweite Braunkehlchen- und Wiesenpieperkartierung durch, um die derzeitige Bestandssituation und weitergehende Schutzmaßnahmen zu ermitteln. Obwohl sich während der Exkursion keine Braunkehlchen blicken ließen, zeigten sich die Wiesenpieper den Teilnehmern umso schöner.

Achim Six stellt den Biohof Six (Litzelhof) vor, Foto Michael Frede

Achim Six stellt den Biohof Six (Litzelhof) vor, Foto Michael Frede

Anschließend ging es an weiteren von Familie Six mit Rotem Höhenvieh beweideten Grünlandflächen vorbei, zum Litzelhof. Hier stellte Achim Six den seit 1998 auf rund 35 Hektar ökologisch wirtschaftenden Familienbetrieb vor, welcher im Haupterwerb betrieben wird und ausschließlich vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen zur Fleischerzeugung hält. Damit ist er einer der wenigen Betriebe in Siegen-Wittgenstein, die sehr bewusst, ausschließlich ökologisch wirtschaften.

Bentheimer Landschweine auf dem Biohof Six. Foto Michael Frede

Bentheimer Landschweine auf dem Biohof Six. Foto Michael Frede

Vor Ort konnten alle Teilnehmer die ebenfalls im Freilauf gehaltenen, seltenen Bentheimer Landschweine bewundern, denen es, wie allen Tieren auf dem Litzelhof offensichtlich sehr gut geht. Gegen Ende der Veranstaltung verteilten Achim und Sandra Six Infomaterial über die auf dem Litzelhof erzeugten, sehr schmackhaften Fleischprodukte, welche dort ab Hof gekauft werden können.Anschließend wurden die offensichtlich sehr zufriedenen Teilnehmer von den Exkursionsleitern in das anschließende Wochenende verabschiedet.

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