Gärtnern mit der Natur

Garten in Elsoff, Foto von U. Siebel
Garten in Elsoff, Foto von U. Siebel

In unseren Gärten sollten wir auf den Einsatz von chemischen Kampfstoffen und Kunstdüngern völlig verzichten und statt dessen mit der und nicht gegen die Natur arbeiten. Da gibt es eine Menge an Möglichkeiten, wie Obst und Gemüse trotzdem gedeihen und gesunde und schmackhafte Erzeugnisse liefern.

Im Folgenden werden einige dieser Methoden vorgestellt. Weiterführenden Informationsquellen werden genannt und wenn möglich verlinkt.

 
Mischkultur im Gemüsegarten, Foto von S. Portig
Mischkultur im Gemüsegarten, Foto von S. Portig

Mischkultur – Nachbarschaftshilfe im Gemüsebeet

Mit den Pflanzen verhält es sich wie mit Menschen und Tieren. Manche mögen sich, manche gehen lieber auf Abstand und manche helfen einander. Wie ist das zu erklären? Pflanzen scheiden Duft- und Wirkstoffe über Kraut und natürlich die Blüten aus und im Boden über die Wurzeln. Diese Stoffe können sich förderlich auf andere Pflanzen auswirken oder eben auch hemmend. Der Wermut ist so ein Kandidat, mit dem sich kaum jemand verträgt. Allerdings hat auch er eine Pflanzenfreundin, wie Inga-Maria Richberg in ihrem Buch „Altes Gärtnerwissen“ schreibt, nämlich die Johannisbeere. Johannisbeeren sollen in seiner Nachbarschaft besser gedeihen und vor der Pilzkrankheit Säulenrost geschützt sein.

Bei der Mischkultur kombiniert man  Gemüsearten gemeinsam in einem Beet, die sich gegenseitig fördern. Dabei ist natürlich auch der Nährstoffbedarf der Pflanzenarten zu berücksichtigen. Es sollten Starkzehrer, Mittelzehrer und Schwachzehrer nicht zusammen auf einem Beet stehen. Sinnvoller Weise plant man eine dreijährige Fruchtfolge ein, wobei die Starkzehrer auf einem gut gedüngten Beet stehen, im zweiten Jahr die Mittelzehrer das gleiche Beet besiedeln und im dritten Jahr die Schwachzehrer. Wer Platz genug hat, läßt das Beet dann im vierten Jahr ruhen und sät nur Gründüngung ein. Außerdem ist es sinnvoll, den vorhandenen Platz unter und oberhalb der Bodenoberfläche optimal auszunutzen. Ein gutes Beispiel ist die Kombination von Möhren und Zwiebeln oder Lauch. Möhren erschließen mit ihren langen Wurzeln tiefere Bodenschichten und kommen damit den Zwiebeln mit ihrem flachen Wurzelwerk nicht ins Gehege und die schlanken Blätter von Lauch und Zwiebeln haben zwischen den Möhrenreihen genug Licht und Luft. Außerdem vertreiben Möhren die Zwiebelfliege und umgekehrt Lauch und Zwiebeln die Möhrenfliege.

Weitere Informationen und eine Mischkulturtabelle finden Sie in den Info-Blättern „Naturgarten praktisch – Mischkultur“ der NUA (Natur und- Umweltschutzakademie NRW)

oder unter „Mischkultur im Kleingarten“ auf der Seite „Die Kleingärtnerin“

der NABU (Naturschutzbund) erklärt „Mischkultur und Fruchtfolge“

Gemüsegarten, Foto von Reginal auf Pixabay
Gemüsegarten, Foto von Reginal auf Pixabay
 

Tierische Helfer

Durch Düfte können anfliegende Schadinsekten abgelenkt werden. Daher macht es durchaus Sinn, blühenden Sommerblumen einen Platz im Gemüsebeet einzuräumen. Darüber hinaus locken die Blüten Nektar suchende Insekten an, die können dann gleich die Blüten unserer Gemüsepflanzen, Obstbäume und Beerensträucher bestäuben. Florfliegen, verschiedene Schlupfwespen- oder Schwebfliegenarten z.B. ernähren sich als erwachsene Tiere von Nektar oder Pollen, die Larven aber vertilgen große Mengen Blattläuse und andere kleine Insekten. Sind diese Insekten schon mal für eine Nektarmahlzeit da, legen sie auch gerne ihre Eier im Garten ab.

  • Die hübschen Florfliegen mit ihren grünen, durchscheinenden Flügeln und den goldenen Augen legen ihre Eier gezielt in der Nähe von Blattlauskolonien ab. Eine einzige Florfliegen-Larve kann bis zu 500 Blattläuse verputzen und gehört zu den eifrigsten Blattlaus-Jägern. Sie wird daher auch Blattlauslöwe genannt.
  • Auch die Larven verschiedener Schwebfliegenarten stehen auf Blattläuse. Schwebfliegen erkennt man an ihrem schnellen, geräuschlosen Flug. Ihre Flügel bewegen sich sehr schnell, so dass sie in der Luft gleichsam stehen können oder blitzschnelle Flugmanöver durchführen. Auf den ersten Blick könnte man schwarz-gelb gemusterte Schwebfliegen mit einer Wespe verwechseln. Sie sind aber völlig harmlos. Wie ein Schaf im Wolfspelz tarnen sie sich mit dem Wespen-Outfit. In der kurzen Entwicklungszeit von 8 bis 15 Tagen verzehrt eine Larve 400 bis 800 Blattläuse. Informatives zu unsren heimischen Schwebfliegen finden sie hier.
  • Es gibt viele verschiedene Schlupfwespen-Arten. Manche sind nur 5 mm lang, andere können 30 mm Länge erreichen. Alle Weibchen tragen einen langen Legestachel am Hinterleib, mit dem sie ihre Eier in lebenden Tieren ablegen. Je nach Art und Größe können das u. a  Blattläuse, Kohlweißlings-Raupen oder Zwiebelfliegen-Puppen sein. Die Schlupfwespen-Larve frißt ihren Wirt von innen her auf, überwintert und verpuppt sich auch darin. Falls Sie also verschrumpelte Mumien von Blattläusen oder diversen Larven finden, besser nicht vernichten. Denn da drin verbergen sich die Helfer für´s nächste Jahr.

Bei den Marienkäfern sind sowohl die Käfer als auch die Larven große Blattlaus-Vertilger. Es gibt rote und gelbe oder auch dunkel gefärbte Marienkäferarten. Die dunkel grau-blau gefärbten und gelbgefleckten Larven schlüpfen aus gelben, senkrecht stehenden Eiern. Eine Larve verdrückt in ihrer ca. 20-tägigen Entwicklungszeit 400 bis 800 Blattläuse. Weiterführende Informationen zu den verschiedenen Marienkäferarten finden Sie hier.

Ohrwürmer krabbeln nicht in Menschenohren, aber sie sind nächtliche Jäger, die es vor allem auf Blattläuse abgesehen haben. Ohrwürmer nehmen gerne mit Heu oder Holzwolle locker gefüllte Blumentöpfe an, die mit der großen Öffnung nach unten an Ästen befestigt werden. In Obstbäumen können die Ohrwürmer dann an Ort und Stelle auf Jagd gehen.

Zahlreiche Laufkäferarten machen sich im Naturgarten nützlich. Dazu zählen z.B. der Goldkaufkäfer, Gartenläufer und der Puppenräuber, dessen Name ist Programm. Die großen, kräftigen Käfer und ihre Larven vertilgen Puppen, Raupen, Drahtwürmer, Kartoffelkäfer und ihre Larven und sogar Schnecken stehen auf ihrer Speisekarte.

Für ihre Vorliebe für Schnecken sind auch die Larven der Glühwürmchen bekannt, die keine „Würmchen“ sind, sondern zu den Käfern gehören. Weitere Infos zu Glühwürmchen finden Sie hier.

Weitere nützliche Tiere sind Wanzen – nein, nicht die Bettwanzen, sondern Raubwanzen – Spinnen oder Raubmilben. Alle diese Tiere sind ebenfalls Hilfstruppen in Sachen „Mitesser“-Bekämpfung.

Um sich einer möglichst großen Schar nützlicher Insekten zu versichern ist zum einen wichtig, keine Pflanzen-„Schutz“-Mittel zu versprühen. Die würden auch unsere Helfer vernichten. Andererseits ist es sinnvoll,  Unterschlupfmöglichkeiten anzubieten in Form von Laub-, Holz- oder Steinhaufen (s. hier), im Herbst den Garten nicht blankzuputzen, sondern z.B. Stauden über den Winter stehenzulassen und auch ein bisschen Wildwuchs zuzulassen.

Das Julius Kühn-Institut (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen – JKI) stellt Nützlinge im Garten als erwachsene Tiere und als Larven vor.

Der NABU stellt die zehn wichtigsten Garteninsekten vor.

Florfliege, Foto von artsehn auf Pixabay
Florfliege, Foto von artsehn auf Pixabay
Schwebfliege, Foto von jggrz auf Pixabay
Schwebfliege, Foto von jggrz auf Pixabay
Schlupfwespe, Foto von Jörg Prohaszka auf Pixabay
Schlupfwespe, Foto von Jörg Prohaszka auf Pixabay
Marienkäfer-Larve, Foto von Melani Marfeld auf Pixabay
Marienkäfer-Larve, Foto von Melani Marfeld auf Pixabay
Ohrwurm, Foto von Melani Marfeld auf Pixabay
Ohrwurm, Foto von Melani Marfeld auf Pixabay
 

Weitere praktische Garten-Tipps:

Wie rette ich meinen Kohl vor Kohlweißlingen?

Alle Kohlsorten sind Leibspeise der Kohlweißlings-Raupen. Die Schmetterlinge legen ihre Eier an die Unterseite der Kohlblätter. Die Eier sind gut einen Millimeter lang, spindelförmig, hellgelb und stehen senkrecht nebeneinander. Die Raupen der Kohlweißlinge sind in der Lage, einen Kohlkopf bis auf die dicken Stiele ratzekahl zu fressen. Daher sollten die Kohlpflanzen regelmäßig untersucht und befallenen Blätter entfernt werden. Aber Vorsicht, die Eier der überaus nützlichen Marienkäfer sehen den Kohlweißlings-Eiern ziemlich ähnlich. Auch diese sind gelb, aber weniger als einen Millimeter lang, also etwas kleiner und ovaler. Ihre Spitze ist leicht abgerundet, außerdem haben sie keine Längsrillen. Gegenspieler der Kohlweißlings-Raupen sind verschiedene Schlupfwespen. Allerdings können die Raupen noch eine Weile Schaden anrichten, bis die Schlupfwespen-Larven die Raupen lahmlegen. Um die Eiablage der Kohlweißlinge wirksam zu unterbinden, bieten sich entsprechende Schutznetze oder – fliese an.

Was tun gegen Nematoden oder „Wurzelählchen“?

Die Wurzelausscheidungen von Tagetes und Ringelblume sind dafür bekannt, dass sie gegen Nematoden wirken. Nematoden sind Fadenwürmer, auch „Wurzelählchen“ genannt. Die meisten Arten dieser winzigen Fadenwürmer sind nützliche Bodenbewohner, die in riesigen Mengen im Boden vorkommen. Die ernähren sich von Algen, Bakterien und Pilzen und helfen bei der Humusbildung mit. Andere Nematoden-Arten befallen Schnecken und deren Larven und wieder andere können an den Wurzeln von Gartenpflanzen Schaden anrichten und gegen diese lohnt sich der Einsatz von Ringelblume und Tagetes. Auf dieser Seite wird ausführlich über Nematoden, Schadbilder, Vorgehensweise bei Befall und biologische Bekämpfungsmethoden berichtet.

Schreckgespenst Kohlhernie

Die gefürchtete „Kohlhernie“ der Kohlpflanzen oder Kreuzblütler wird durch einen Schleimpilz hervorgerufen. Daher sollten Kohlpflanzen über die Jahre nicht immer im gleichen Beet angebaut werden. Hier ist also Fruchtwechsel angesagt. Auch keine Gründüngungspflanzen aus der Kohlfamilie wie z.B. Gelbsenf verwenden. Weitere Informationen finden Sie hier.

Knoblauch – vielseitiger Helfer

Sowohl im Gemüse- als auch im Blumenbeet und im Obstgarten kann der Knoblauch seine heilsame Wirkung entfalten. In der Nachbarschaft gepflanzt schützt er Gurken vor Mehltau,  Erdbeeren und Himbeeren vor Grauschimmel. Bei Tomaten kann eine Unterpflanzung mit Knoblauch bakterielle Erkrankungen wie Krautfäule verhindern. Er stärkt Tulpen und Lilien, Staudenphlox und auch Stockrosen  gegen Pilzbefall, Rosen gegen Mehltau und Sternrußtau. Blattläuse, Erdbeermilben und Möhrenfliegen mögen seine Ausdünstungen offensichtlich nicht, ebenfalls verschiedene Nematoden – es lohnt sich also ein Versuch.