Quartiere für erwünschte Untermieter

Ein naturnaher Garten bietet nicht nur Platz für Obst und Gemüse. In der heutigen Zeit, die geprägt ist von Klimawandel und Artenschwund, sind Gärten wichtige Rückzugs- und Überdauerungsorte für viele Tierarten. Vögel und Säugetiere, Reptilien und Amphibien, viele von Verschwinden bedrohte Insektenarten finden sich ein, wenn man ihnen geeignete Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten anbietet.

 

Steinhaufen und Trockenmauern –  Plätze zum Aufwärmen und Verstecken

Steinhaufen - Sommer- und Winterquartier für Reptilien, Insekten und Spinnen, Foto von U. Siebel
Steinhaufen - Sommer- und Winterquartier für Reptilien, Insekten und Spinnen, Foto von U. Siebel
Zauneidechsenmännchen, Foto M. Frede
Zauneidechsenmännchen, Foto M. Frede
Lesesteinhaufen, Foto von U. Siebel
Lesesteinhaufen, Foto von U. Siebel
Trockenmauer mit vielen Spalten, Foto von U. Siebel
Trockenmauer mit vielen Spalten, Foto von U. Siebel
Mit Trockenmauer gestaltete Böschung, Foto von U. Siebel
Mit Trockenmauer gestaltete Böschung, Foto von U. Siebel

Mit Steinen lässt sich vieles im Garten gestalten. Von Trockenmauern als Abgrenzung oder zum Abfangen einer Böschung, Kräuterspiralen, Steingärten (nein, nicht die Schotter“gärten“ sind gemeint), oder auch Treppen. Unter „Steingärten“ versteht man nicht die in Mode gekommenen Schotter“gärten“, sondern richtige Steingärten zeichnen sich durch einen steinigen, wasserdurchlässigen, humus- und nährstoffarmen Boden aus, wo – je nach Bodenart – kalkliebende oder eher saure Böden bevorzugende Pflanzen gedeihen. Boden- und Gesteinsart sollten mit dem Pflanzenbewuchs eine Einheit bilden. Ideen und Vorschläge finden Sie hier.

Bevorzugt sollten heimische Gesteine verwendet werden. Im Sieger- und Wittgensteiner Land bietet sich da die Grauwacke an. Das ist ein Sandstein, der gröbere Platten mit mehr oder weniger glatten Oberflächen bildet und der sich sehr gut für Trockenmauern eignet. Diese werden ohne Mörtel Stein auf Stein gesetzt mit einer leichten Neigung zum Hang. Beim Aufbau kann man gezielt Hohlräume lassen, um Tieren einen Unterschlupf zu bieten. Eine fachgerecht gebaute Trockenmauer überdauert Jahrzehnte. Viele Tiere nutzen auch einfache Steinhaufen, ob besonnt oder im Schatten gelegen. Auch hier lassen sich durch Tontöpfe oder Rohre Hohlräume einbauen, die gerne von Tieren wie z.B. Erdhummeln, angenommen werden.

Steinhaufen und Trockenmauern bieten Zauneidechsen, Blindschleichen, Kröten, Molchen, Spitzmäusen verschiedenen Insekten und Spinnen Lebensraum im Sommer und einen geschützten Platz im Winter. Weitere Informationen finden Sie hier

 

Totes Holz im Garten – Holz- und Reisighaufen als Lebensraum

Stammstücke, vergessen und liegengeblieben, Foto von U. Siebel
Stammstücke, vergessen und liegengeblieben, Foto von U. Siebel
Reisighaufen, Foto von U. Siebel
Reisighaufen, Foto von U. Siebel
Holzhaufen aus Ästen und alten Zaunpfählen, Foto von U. Siebel
Holzhaufen aus Ästen und alten Zaunpfählen, Foto von U. Siebel
Ein junger Buntspecht lugt aus seiner Höhle, Foto von U. Siebel
Ein junger Buntspecht lugt aus seiner Höhle, Foto von U. Siebel
Alter Apfelbaum mit großen Höhlen, Foto von U. Siebel
Alter Apfelbaum mit großen Höhlen, Foto von U. Siebel

Viele Tiere nutzen Holz- und Reisighaufen als Unterschlupf oder Überwinterungsplatz. Rotkehlchen oder Zaunkönig bauen ihre Nester hier, Igel, Spitzmäuse, Mauswiesel als Vertreter der Säugetiere gehen von hier auf die Jagd, aber auch Zauneidechse oder Erdkröte. Alle diese Tiere helfen uns den Garten gesund zu erhalten, indem sie die vielen Mitesser an Obst und Gemüse kurzhalten. Auch die Insektenwelt profitiert von Totholz. Viele Insektenlarven ernähren sich davon. In den vorgebohrten Gängen legen dann später beispielsweise Solitärbienen ihre Eier ab. Das sind Bienenarten, die anders als die bekannte Honigbiene, einzeln leben und die einen großen Anteil an der Bestäubungsarbeit leisten.

Totholz ist somit ein wichtiger Lebensraum und man sollte im Garten den natürlichen Schädlingsbekämpfern Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten in Form von Holz- und Reisighaufen, Baumstubben oder vielleicht sogar einem alten, höhlenreichen Baumstamm bieten. Denn auch im Wald ist Totholz mittlerweile weitgehend Mangelware. Die Bäume werden ja nicht mehr so alt und dürfen in den meisten Fällen nicht bis zur Zerfallsphase stehen bleiben.

 

Insektenhotels

Insektenhotel auf der Trupbacher Heide, Foto von U. Siebel
Insektenhotel auf der Trupbacher Heide, Foto von U. Siebel
Nisthilfe für Wildbienen, Foto von U. Siebel
Nisthilfe für Wildbienen, Foto von U. Siebel
Insektenhotel selbst gemacht, Foto von J. Herling
Insektenhotel selbst gemacht, Foto von U. Siebel
Insektenhotel selbst gemacht, Foto von U. Siebel
Einfaches Insektenhotel selbst gemacht, Foto von J. Herling

Heutzutage ist es für Wildbienen und solitär lebende Wespen oftmals schwer einen geeigneten Nistplatz zu finden. Die bevorzugten Strukturen, wie Totholz, Lehm, Mauerritzen und Steinfugen, werden in der freien Landschaft, aber auch besonders in unseren Gärten immer seltener. Daher kann man diesen Arten mit schon ganz einfachen Mitteln neue Nistplatzmöglichkeiten anbieten. Dabei muss es kein großes Insektenhotel sein, auch kleine Nisthilfen auf dem Balkon sind für die Insekten genauso hilfreich. Wichtig ist jedoch, dass Insektenhotels lediglich einen Ersatz darstellen, besser ist es natürlich die eigentlichen Strukturen zu erhalten oder wieder herzustellen. Denn nicht alle Wildbienenarten beziehen Insektenhotels.

Als erstes ist es hilfreich zu wissen, dass die meisten Wildbienen und solitären Wespen Nistgänge anlegen, in denen mehrere Brutkammern hintereinander liegen. So können Gangnisthilfen aus Holz, Pflanzenstängel, Stein oder Lehm angefertigt oder gekauft werden. Am besten ist es hierbei verschiedene Materialien sowie verschiedene Gangdurchmesser zu verwenden. Denn es gibt Arten, wie die Rote Mauerbiene, die alle Materialien annehmen, andere wiederum haben da bestimmte Vorlieben. Ob nun selbstgebaut oder gekauft, spielt eigentlich keine Rolle, jedoch gibt es bei der Auswahl und dem Bau geeigneter Nisthilfen auch ein paar Dinge die zu beachten sind.

Nisthilfen aus Holz
Aus Holz lassen sich ganz verschiedene kleine und große Nisthilfen bauen. Ob halbe Baumscheiben, Vierkanthölzer, Astabschnitte oder Holzreste, Hauptsache das Holz ist gut durchgetrocknet und unbehandelt. Bei der Auswahl des Holzes sollte Hartholz, wie Obstbaumholz, Robinie, Buche, Esche, Ahorn oder Eiche bevorzugt werden. Nadelholz eignet sich aufgrund des Harzes nicht. Die verwendeten Scheiben, Stämme oder Stücke sollten mindestens 15 cm dick sein. In das Holz werden gegen die Faserrichtung mit einem Holzbohrer Gänge gebohrt, die am hinteren Ende noch geschlossen sein müssen. Die Bohrlochdurchmesser sollten zwischen 2 bis 10 mm variieren, hierbei können sie ruhig nah beieinander liegen. Damit die Tiere sich nicht verletzten, ist es wichtig die gebohrten Gänge noch mit einer Rundfeile glatt zu schmirgeln.

Eine Faustregel: Das Bohrloch sollte etwa 10x so lang sein wie der Durchmesser des Bohrlochs. Ist eine Bohrung also 5 mm breit, sollte der Gang 5 cm lang sein.

Hohle Pflanzenstängel
Aus hohlen Pflanzenstängel, wie Reet, Bambus oder Schilf, aber auch geeigneten Pappröhrchen können ganz einfach und mit wenig Werkzeug geeignete Nisthilfen gebaut werden. Die Stängel sollten dazu so zugeschnitten werden, dass die Stücke mindestens 10 cm lang und am Ende von einem Stängelknoten verschlossen sind. Nun braucht man die Stängel nur noch in einer alten Blechdose oder einem leeren Lochziegel zu bündeln.

Markhaltige Pflanzenstängel
Abgeblühte markhaltige Stängel von Sommerflieder, Holunder oder Brombeere eignen sich ebenfalls als Nisthilfe. Abgeschnitten und unbedingt senkrecht an einem sonnigen Ort befestigt, können dort bestimmte Arten, wie die Keulhornbiene, einziehen. Um das Mark kümmern sich die Tiere selbst.

Stein und Ton
Nisthilfen aus gebranntem Ton, wie Strangfalzziegel, sind im Baustoffhandel erhältlich. Diese können zu mehreren gestapelt oder als Dach für ein Insektenhotel verwendet werden. Der Vorteil von Ton ist die gute Wärmespeicherkapazität, wodurch nachts Wärme an die Brut abgegeben wird.

Was sollte nicht verwendet werden?
Häufig werden fertige Insektenhotels mit einer Vielzahl an Nist- oder auch Überwinterungsmöglichkeiten angeboten, die jedoch nicht geeignet sind und von den Tieren auch nicht zu diesen Zwecken bezogen werden. Weitere Informationen dazu finden sie hier.

 

Doch wann ist überhaupt die beste Zeit, um ein Wildbienenhotel aufzustellen?
Die ersten Arten schlüpfen schon ab März, daher ist es das Beste, wenn schon zu dieser Zeit die Nisthilfe steht. Doch auch über das gesamte Frühjahr und den Sommer schlüpfen immer wieder neue Arten, die sich auch über ein Wildbienenhotel freuen, das erst im Mai oder Juni aufgestellt wird. Im kommenden Jahr können dann auch die Frühaufsteher dort einziehen. Ganz wichtig jedoch ist, dass das Wildbienenhotel an einem trockenen und sonnigen Ort und das ganze Jahr über an dem selben Ort hängen oder stehen bleibt, auch über die Wintermonate! Eine Renovierung des Hotels ist in der Regel nicht notwendig, das machen die Wildbienen und Wespen schon selbst.

Weiterführende Internetseiten und Buchempfehlungen
Günzel, W. R. (2014): Das Insektenhotel. pala Verlag
David, W. (2018): Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen. pala Verlag
v. Orlow, M. (2015): Mein Insektenhotel – Wildbienen, Hummeln & Co. im Garten. Ulmer Verlag
v. Orlow, M. (2019): Ideenbuch Insektenhotels – 30 Nisthilfen für Wildbienen & Co. einfach selbst gebaut. Ulmer Verlag

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/mission-gruen/17063.html
https://www.naturgartenfreude.de/wildbienen/nisthilfen/
https://www.deutschland-summt.de/wildbienenarten.html