Müssen Weidetiere vor Wolfsübergriffen geschützt werden?

Ein klares „Ja“, vor allem für wenig wehrhafte Tiere. Bislang bestand nur die Notwendigkeit, Weidetiere am Ausbrechen zu hindern. Nun aber besteht die große Herausforderung darin, die Weide zusätzlich vor Übergriffen von außen zu schützen.
Wölfe sind – wie wir Menschen – Opportunisten und werden schwer widerstehen können, wenn ihnen der Jagderfolg auf dem Silbertablett serviert werden sollte. Daher sind Tierhalterinnen und Tierhalter, die ihren Tieren den Weidegang gönnen, besonders gefordert. Aufgrund ihrer Größe und nur eingeschränkten Wehrhaftigkeit müssen vor allem für Schafe und Ziegen Präventionsmaßnahmen ergriffen werden. Denn sie können sich weder gegen einen Wolf wehren, noch können sie aus der eingezäunten Weide fliehen. Aber es besteht auch eine Verantwortung den Kolleginnen und Kollegen gegenüber. Wenn nämlich Wölfe auf einer ungeschützten Weide leicht Beute machen können, werden sie es auch auf anderen Weiden versuchen und – ganz wichtig – sie bringen diese Jagdtaktik auch ihren Jungen bei.
Wölfe jagen ja nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil sie Nahrung brauchen – für sich und ihre kleine Familie. Es ist halt leichter und gefahrloser, ein Schaf zu erbeuten, als sich mit einem Wildschwein oder Hirsch anzulegen.

Schafherde mit Elektrozaun gesichert (Foto: U. Siebel)
Schafherde mit Elektrozaun gesichert (Foto: U. Siebel)

Allgemeine Informationen zum Herdenschutz

Zu den Möglichkeiten und Mitteln, mit denen Weidetiere vor Wolfsübergriffen geschützt werden können, gibt es im Internet viele Informationsquellen, hier eine Auswahl:

  • Der Freundeskreis freilebender Wölfe bietet allgemeine Informationen und auch speziell zum Herdenschutz
  • Wölfe und Herdenschutz von der Umweltstiftung WWF Deutschland („World Wide Fund For Nature“, auf Deutsch: „Welt-Naturstiftung“)
  • Leitfaden Pferd und Wolf vom Arbeitskreis „Pferd und Wolf“, darin haben sich Experten vom NABU, der Pferdeland Niedersachsen GmbH, dem AG Herdenschutzhunde und dem Trakener-Verband mit Wissenschaftlern der Universität Hildesheim zusammengetan
  • Auch die „Gesellschaft zum Schutz der Wölfe“ bietet Informationen zu verschiedenen Gesichtspunkten und zum Herdenschutz, z.T. als Videos

 

Dass geeigneter Herdenschutz erfolgreich ist, erklärt das LANUV; „Bundesweite Untersuchungen bestätigen: Einen 100%igen Schutz gegen Wolfsübergriffe auf Weidetiere gibt es nicht. Funktionierende Elektrozäune senken aber die Zahl erfolgreicher Wolfsübergriffe erheblich. Es wird daher dringend zur Durchführung von Herdenschutzmaßnahmen geraten. Anträge auf Förderung von Herdenschutzmaßnahmen können bei den zuständigen Bezirksregierungen Arnsberg und Köln gestellt werden.“

  • Die Antragsformulare für die Bezirksregierung Arnsberg finden Sie hier!
  • Weitere Informationen der Bezirksrgierung finden Sie hier!
 

Herdenschutzsets – wenn es mal schnell gehen muß

Die Herdenschutzsets mit Elektrozaun, Weidezaungerät und Fotofalle zum Schutz vor Wolfsangriffen auf Schafe und andere Nutztiere können bei Bedarf kurzfristig, unentgeltlich und schnell ausgeliehen werden. Sie sind mit Beratung durch den NRW-Schafzuchtverband angeschafft worden und stehen allen Nutztierhaltern (auch Hobbyhaltung) zur Verfügung. Ein Transport ist in einem großräumigen PKW bzw. mit einem Anhänger möglich, Das Herdenschutzset für Ostwestfalen wurde im November 2015 durch einen 1.000 Meter Lappenzaun ergänzt.

  • Ansprechpartner für das Herdenschutzset im Sauerland: Werner Schubert, Biologische Station Hochsauerlandkreis, Telefon 02977-1524 oder 0170 34 62 982
  • Ansprechpartner für das Herdenschutzset in Ostwestfalen-Lippe: Norbert Schmelz, Regionalforstamt OWL im Forstbezirk Stemwede, Telefon 05745 1880 oder 0171 58 73 567
  • Ansprechpartner für das Herdenschutzset im Obergergischen Kreis: Michael Schmitz, NABU Oberberg, Geschäftsstelle Wiehl, Telefon 02262 71 27 28 oder 0163 36 85 123

Um im Bedarfsfall im Kreisgebiet noch schneller Hilfe leisten zu können, wurde nun auch für den Kreis Siegen-Wittgenstein ein Herdenschutzset abgeschafft. Dies kann bei der Gemeinde Burbach ausgeliehen werden. Die Feuerwehr hat jederzeit Zugriff darauf.

  • Anprechpartner für das Herdenschutzset in Siegen-Wittgenstein: Gemeinde Burbach, Herr Gorlt, Telefon 02736 4532 (Lagerung in Niederdresselndorf, Brunnenstraße 6).
 

Wolfsberater – die „schnelle Eingreiftruppe“

An wen kann ich mich als Tierhalterin oder Tierhalter im Ernstfall wenden? Im Kreis Siegen-Wittgenstein sind derzeit zwei Wolfsberater im Einsatz.

  • Jörg Bürger, Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein, Mühlbach 5, 57319 Bad Berleburg (zuständig für Bad Berleburg und Bad Laasphe), Telefon:02755-22 45 55. oder 0171-58 71 570, E-Mail: joerg.buerger@wald-und-holz.nrw.de
  • Matthias Mennekes, Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein, Elberndorf 2, 57339 Erndtebrück (zuständig für Erndtebrück. Netphen und Hilchenbach), Telefon: 02753-59 81 40 oder 0171-58 71 562, E-Mail: matthias.mennekes@wald-und-holz.nrw.de

Allerdings können derzeitig Anrufe nur während der Dienstzeiten von Montag bis Freitag zwischen 07.30 und 16.15 Uhr angenommen werden. Alle Anrufe außerhalb dieser Zeiten inkl. Wochenende oder wenn die Wolfsberater während ihrer Dienstzeiten nicht erreichbar sein sollten, müssen an die „Wolfs-Notfall-Nummern“ des Landes NRW gehen:

  • werktags: Landesumweltamt (LANUV), Telefon: 02361-305-0
  • außerhalb der Geschäftszeiten / am Wochenende: Nachrichtenbereitschaftszentrale des LANUV, Telefon: 0201-71 44 88
 

Informationen speziell zu Herdenschutzhunden

Schafherde mit Herdenschutzhunden,. Foto Sabine Portig
Schafherde mit Herdenschutzhunden,. Foto Sabine Portig

Wer mit dem Gedanken spielt Herdenschutzhunde einzusetzen, muß sich zunächst gut informieren, Herdenschutzhunde sind keine Kuschelhunde, ihr Verhalten unterscheidet sich deutlich von dem unserer gewohnten Haushunde oder auch der Hirtenhunde, die z.B. die Wanderschäfer unterstützen. Es reicht nicht, sich ein paar Welpen anzuschaffen – weil die günstiger zu haben sind – und die einfach in eine Schafherde zu setzen. Auch Herdenschutzhunde müssen sozialisiert und trainiert werden. Die Hunde müssen lernen, dass sie zwar aufmerksam beobachten und im Ernstfall die Herde verteidigen sollen, aber sie müssen genauso wissen, wo ihre Grenzen sind. Das sind schließlich wehrhafte, große und starke Tiere, die mit Wölfen – sogar mit Bären, wenn es sein muß – fertig werden. Auch die Schafe müssen Zeit haben, sich an die neuen Herdenmitglieder zu gewöhnen. Dazu ist es auch wichtig, den Hunden, die neu in die Herde integriert werden sollen, eine Zuflucht vor den Schafen zu schaffen.

Ideal ist es, wenn eine gut trainierte Herdenschutzhündin ihre Welpen gleich in der Herde aufziehen kann, wie auf dem Foto zu sehen.

Einige interessante und informative Links zum Thema Herdenschutzhunde:

  • AG Herdenschutzhunde gibt Informationen zu Haltung und Einsatz von Herdenschutzhunden und bietet auch Schulungen an
  • Hier finden Sie u.a. einen Artikel über einen Schäfer, der Herdenschutzhunde einsetzt: Wirksame Abschreckung
  • Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes gibt auch Informationen zum Herdenschutz.