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Mit Naturschutz neue Pandemien verhindern?

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Wieso machen uns Viren überhaupt krank?

Zwischen allen Organismen hat sich im Laufe der Entwicklung ein Gleichgewicht eingestellt. Pflanzenwelt, Tiere, Pilze, Mikroben sind auf mannigfache Art und Weise miteinander verbunden, voneinander abhängig und gemeinsam von der sie umgebenden Umwelt – also Boden, Wasser, Klima… Viren nehmen dabei im Spiel des Lebens eine Sonderstellung ein, denn Viren sind eigentlich gar keine Lebewesen, sie haben keinen Stoffwechsel – also atmen nicht, essen nicht, verdauen nicht … -und können sich auch nicht selbständig vermehren. Vereinfacht gesagt, bestehen sie nur aus einer Hülle, in der sich die Erbinformation befindet. Viren brauchen andere Lebewesen für ihren Arterhalt. Um dies zu erreichen sind sie in der Lage, in Zellen anderer Organismen einzudringen und dort die Steuerung des Stoffwechsels zu übernehmen, so dass die befallene Zelle neue Viren produziert. Näheres dazu können Sie hier nachlesen oder hier  oder hier. Dabei ist der Tod des Wirtsorganismus gar nicht das Ziel, denn damit beraubt sich das Virus ja seiner Vermehrungsgrundlage. Wie kommt es also dazu?

Es sind bisher ca. 3000 Virenarten gefunden worden. Einige davon können auch Menschen befallen. Manche belästigen uns mit einem banalen Schnupfen oder Lippenherpes, andere können schwerwiegende Erkrankungen hervorrufen, wie zum Beispiel Aids oder Hepatitis. Auch die sogenannten Kinderkrankheiten Windpocken, Mumps oder Masern gehen auf das Konto von Viren. Antibiotika sind bei Infektionen mit Viren unwirksam. Unser Immunsystem kann aber mit vielen Viren fertig werden und oft sind wir danach immun gegen diese Virenart. Allerdings ist die Evolution auch bei Viren nicht zum Stillstand gekommen. Durch Mutationen können sich Virenarten so verändern, dass unser Immunsystem sie dann doch nicht mehr erkennt. Eine Grippe-Impfung muß deswegen jedes Jahr erneuert werden, weil jedes Jahr ein anderer Erreger-Stamm durchs Land zieht.

Virenarten sind in der Regel artspezifisch, das heißt, sie befallen beispielsweise nur eine Wirbeltierart und andere Arten sind immun. Allerdings können Mutationen der Viren auch dazu führen, dass eine zuvor nur bei einer Art vorkommende Virenart den Sprung auf eine andere Art schafft. Das ist besonders heikel, wenn Menschen mit Tierarten aus der Wildnis plötzlich in engen Kontakt kommen. Das Aids-Virus soll damals von Affen, die als Buschfleisch auf den Märkten verkauft wurden, auf den Menschen übergesprungen sein. Gleiches vermutet man bei Sars covid 2. Hier sind sowohl Fledermausarten als auch Schuppentiere mögliche Quellen, die auch auf Märkten verkauft wurden. Näheres dazu siehe hier.

Was hat das alles mit Naturschutz zu tun?

Die Menschen nehmen immer mehr Naturräume in Anspruch. Dabei hat die Vernichtung von Lebensräumen ein beängstigendes Ausmaß angenommen. Dies betrifft in hohem Maße die tropischen Urwälder, Näheres über den Amazonas-Regenwald dazu hier, oder hier, oder den Urwald in Indonesien siehe  hier.

Philippinen, Foto von Samuel Faber auf Pixabay
Philippinen, Foto von Samuel Faber auf Pixabay

Dieser Raubbau hat nicht nur regionale Auswirkungen, sondern macht sich zunehmend global bemerkbar. Nicht nur das weltweite Klima ist betroffen. Menschen dringen immer weiter auch in bisher unberührte Lebensräume vor und die Gefahr von Infektionen mit bisher unbekannten Erregern, die unser Immunsystem nicht kennt und mit denen es nicht fertig wird, steigt. Ein Weg mit bisher unbekannten Krankheitserregern in Kontakt zu kommen ist die Jagd in bisher unberührten Naturräumen und der Verkauf der erbeuteten Wildtiere auf Märkten als sogenanntes Buschfleisch. Dies wäre ein möglicher Infektionsweg. Je mehr die bisher unberührten Naturräume aber gestört werden, desto mehr geraten die betreffenden Ökosysteme aus dem Gleichgewicht. Manche Arten, die bisher ihren festen Platz im Ökosystem hatten, können Überhand nehmen und damit auch die Erreger, die sie tragen. Der Verlust ihres Lebensraums, z.B. die Rodung eines Urwaldgebiets, zwingt bisher in der Wildnis lebende Tiere dazu, in von Menschen besiedelte Gebiete abzuwandern. Andererseits wandern mit den eindringenden Menschen auch Tiere in die Natur-Lebensräume  ein, die im Umfeld des Menschen leben, z.B. Ratten. Kommen Ratten in Kontakt mit Wildtieren, können Erreger von den Wildtieren auf die Ratten überspringen und auf diesem Wege dann zu den Menschen gelangen.

Wenn Krankheitserreger von Tieren auf Menschen überspringen spricht man von Zoonosen. Den Odysso-Beitrag „Woher kommt das Corona-Virus“ können Sie hier ansehen.

Eine Reihe von Studien und Artikeln beschäftigen sich mittlerweile mit diesen Phänomenen. Hier eine Auswahl:

  • Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) erklärt, warum intakte Ökosysteme wichtig sind zur Vorbeugung vor der Ausbreitung von Pandemien und wie funktionsfähige Ökosysteme, das Wohlergehen der Menschen und Klimaschutz zusammenhängen. Den Beitrag können Sie hier ansehen.
  • Das UN-Umweltprogramm (UNEP) und das International Livestock Research Institute (ILRI) warnen vor einem Anstieg von Zoonosen, den Beitrag finden Sie hier.
  • Mit den Lehren aus der Corona-Pandemie  beschäftigt sich ein Beitrag von tagesschau.de vom 2. April 2020, den Sie hier ansehen können.
  • ärzteblatt.de schreibt: Natur- und Artenschutz könnte künftig Pandemien verhindern, den Artikel können Sie hier lesen.
 

Die Bundesumweltministerin Svenja Schulze sagt dazu:

„Die Naturzerstörung ist die Krise hinter der Coronakrise und umgekehrt gilt: Gute Naturschutzpolitik, die vielfältige Ökosysteme schützt, ist eine wichtige Gesundheitsvorsorge gegen die Entstehung neuer Krankheiten.“

Die Pressemitteilung können Sie hier nachlesen.

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