Der Boden – das unbekannte Wesen

Boden, das ist für uns Gärtner die einige Dezimeter dicke Schicht, die das Ausgangsgestein bedeckt und in der unsere Pflanzen wachsen, gemeinhin „Erde“ genannt. Dieser Gartenboden sollte humusreich und reich an Bodenleben sein. Grob kann man sagen, dass Boden aus den Mineralien des Ausgangsgesteins, organischer Masse (Wurzeln, Mikroben, Tiere, Humus), Wasser und Luft besteht. Je nach dem vorhandenen Ausgangsgestein aus dem die Böden hervorgehen, reicht die Spanne von schweren, tonreichen, nährstoffreichen bis zu nährstoffarmen, sandigen Böden. Auch die Bodenreaktion hängt vom Ausgangsgestein ab. Basenreiche Böden stellen den Pflanzen mehr Nährstoffe zur Verfügung, saure sind eher nährstoffarm.

Interessante Einblicke rund um das Thema Boden bietet die NUA-Broschüre Boden will leben! Hier gibt es Informationen von Bodenentstehung, über  das Ökosystem „Boden“, Gefährdung des „kostbaren Gutes“ Boden bis hin zu Bodenschutz.

Das NUA-Infoblatt Gartenboden informiert über die Grundlage für erfolgreiches Gärtnern.

Um Defizite auszugleichen gibt es verschiedene Möglichkeiten, von denen nachfolgend einige vorgestellt werden.

 
Komposthaufen

Um den Humusanteil im Boden zu erhöhen und gleichzeitig für die erforderliche Düngung zu sorgen, ist Kompostierung der „Königsweg“ im Biogarten. Da wäre zuerst der Komposthaufen zu nennen. Hier werden alle Grünabfälle nach bestimmten Regeln gemischt und aufgeschichtet:
Es dürfen ohne Einschränkung alle Gemüse- und Obstreste hinein, auch Essensreste (aber kein Fleisch und auch keine gekochte Essensreste, das würde Ratten anlocken), Eierschalen, Kaffeesatz (den kann man aber auch den Rosen zugute kommen lassen), angetrockneter Rasenschnitt (keine allzu dicke Packung, sonst fault er, Rasenschnitt kann auch gut zur Flächenkompostierung verwendet werden) und Laub.
In Maßen dürfen Holzstreu hinein, Papier, Federn, Haare, frischer Rasenschnitt (s.o.), ausgejätete Wildkräuter (aber ohne Rhizome und Wurzeln z.B. von Giersch oder Brenn-Nesseln), Holzasche (nicht von behandeltem Holz), Zitrusfrüchte (ungespritzt).
All diese Abfälle werden im Laufe des Jahres von fleißigen Bodenlebewesen in wertvolle Komposterde umgewandelt.

Übrigens haben behandeltes Holz, beschichtetes Papier, Katzenstreu, mineralische Abfälle (also Bauschutt etc.), erkrankte Pflanzenteile, Pflanzen mit Schädlingsbefall, Asche von Briketts, Metall oder Leder nichts im Kompost verloren!

Tipps für das fachgerechte Kompostieren geben der NABU und das Umweltbundesamt in seiner Kompostfibel, s. hier. weiterhin informiert die NUA in den Infobättern Kompost im Garten und Probleme beim Kompostieren und Kompostverwendung

 
Mulchen bzw. Flächenkompostierung

Mulchen oder Flächenkompostierung sorgt für eine Bodendecke nach dem Vorbild der Natur. Wenn nackte Erde ungeschützt  Sonne und Regen, Wind und Frost ausgeliefert ist, dörrt sie aus, der Wind trägt die feinen Partikel fort und der ungebremst prasselnde Regen verschlämmt anschließend die Poren, so dass der Luftaustausch erschwert ist. Im Winter kann der Frost zudem tief in den Boden eindringen. Dies alles kann man durch eine Mulchdecke verhindern. Als Mulchstoffe können entweder frische, saftreiche pflanzliche Abfälle (Grasschnitt, Wildkräuter, Gemüseblätter etc.) zerkleinert und in dünner Lage zwischen den Gemüsepflanzen verteilt werden – die Mulchdecke aus frischem Material darf nur wenige Zentimeter dick sein, damit es darunter nicht zu Sauerstoffmangel kommt – oder eine Schicht aus trockenem Material wie z.B. Stroh, die auch dicker sein darf. Ist die Mulchschicht verrottet, füllt man sie wieder auf.

Vorteile:

  • Wärme und Feuchtigkeit bleiben im Boden, die Bodenstruktur bleibt luftig
  • Vermehrung der Humusschicht und Erzeugung von Nährstoffen durch Kleinlebewesen und Mikroorganismen, die die pflanzliche Substanz abbauen
  • Schutz des Bodens vor Frost und Hitze, Austrocknung und Verschlämmung
  • Verbesserung der Wachstumsbedingungen für die Kulturpflanzen
  • der Boden bleibt locker und es muß weniger gehackt werden
  • es muß auch weniger gejätet werden, weil weniger Wildkräuter Fuß fassen können
  • und es muß weniger gegossen werden, da der Boden unter der Mulchdecke weniger austrocknet
  • die Bodenlebewesen produzieren Nährstoffe und Humus, daher kann die Düngergabe verringert werden
  • und Gemüse und Früchte bleiben auch noch sauberer, weil weniger Erde bei Regengüssen hochspritzt

Damit sich der Boden im Frühjahr besser erwärmen kann, sollte eine evtl. noch vorhandene Mulchschicht von den Beeten geräumt werden. Auch zur Aussaat muß der Boden frei sein.

Informationen und Tricks zum Mulchen finden Sie hier, auf der Seite Altes Gartenwissen und im NUA-Infoblatt Bodenpflege nach dem Vorbild der Natur

Gemulchtes Gemüsebeet, Foto von U. Siebel
Gemulchtes Gemüsebeet, Foto von U. Siebel
 
Düngung mit natürlichen Materialien

Unsere im Garten gezogenen Kulturpflanzen benötigen einen gut vorbereiteten Boden mit den erforderlichen Nährstoffen, damit die Ernte reichlich wird und die Kohlköpfe dick ausfallen. Auch im biologisch bewirtschafteten Garten müssen verbrauchte – also von den Pflanzen aufgenommene – Nährstoffe ergänzt werden. Allerdings wird nicht einfach nach chemischen Düngesalzen gegriffen und die Pflanzen gewissermaßen „an den  Nährstoff-Tropf“ gehängt, sondern Nährstoffe werden auf dem Umweg über die Bodenorganismen aus organischen Düngern freigesetzt. Es kommt nicht so leicht zur Überdüngung, weder im Boden noch in den Pflanzen. Ganz genau wird das in den Buch „Der Biogarten“ beschrieben. Außerdem informiert das NUA Infoblatt Richtig düngen im naturnahen Garten  über Düngung allgemein und den Düngerbedarf verschiedener Böden.

Für den biologischen Garten bieten sich zum einen – soweit vorhanden – tierische Hinterlassenschaften an. Alle tierischen Exkremente sollten zunächst kompostiert werden. Selbstverständlich sollten Sie nur Mist von Tieren aus gesunder Haltung verwenden. Darauf ist vor allem beim Kauf von getrocknetem Mist zu achten. Sonst landen u.U. Medikamentenreste oder gefährliche Krankheitserreger auf Ihren Gemüsebeeten. Tipps und Ratschläge, z.B. welcher Mist wofür geeignet ist, finden Sie hier.

Hornspäne, Blut- und Knochenmehl werden aus Schlachthausabfällen hergestellt. Hornspäne z.B. reichern den Boden mit Stickstoff und Phosphor an. Auch bei der Verwendung solcher Dünger ist zu bedenken, aus welcher Haltung die Tiere stammten, deren Überreste wir in unserem Garten verwenden. Bei der angebotenen Menge der Düngemittel liegt die Vermutung nahe, dass die Tiere zum großen Teil aus industrieller Haltung kamen und aus ihnen hergestellte Produkte entsprechend belastet sind. Zum einen sind die Rückstände aus Arzneimitteln oder auch Hormonen einfach schädlich – für das Bodenleben und auch für die Gärtnerin oder den Gärtner. Zum anderen sollte auch die Frage bedacht sein, ob wir Dünger aus solchen Quellen in unseren Naturgärten überhaupt haben wollen …

Wenden wir uns den pflanzlichen Düngern zu. Die Gründüngung ist eine sehr alte Methode. Zuerst im Ackerbau angewendet, kann sie aber auch im Garten eingesetzt werden. Dazu werden als Zwischenfrucht oder nach Abernten der Beete Gründüngungspflanzen eingesäht, die in der Lage sind den Boden zu regenerieren.

Eine bekannte Gründüngungspflanze ist die Phacelia, auch Bienenfreund genannt. Ihre blauen, sehr nektarreichen Blütenbüschel werden gerne von Insekten besucht. Phacelia durchwurzelt den Boden sehr gut, beschattet den Boden und unterdrückt aufkommende Wildkräuter. Nach dem Abfrieren im Winter hinterläßt Phacelia große Mengen an organischem Material, das den Humusgehalt im Boden erhöht. Will man die Pflanze als Bienenweide anbauen, wird im Frühjahr ausgesäht, ansonsten nach dem Abräumen der Beete bis etwa Anfang September. Soll der Boden mit Stickstoff angereichert werden, ist die Mahd vor der Blüte ratsam. Phacelia kann problemlos in jede Fruchtfolge eingegliedert werden. Sie steht in keiner engen Verwandschaft mit unseren Kulturpflanzen und kann daher auch – anders als z.B. Gelbsenf – vor oder nach Kohlarten angebaut werden.

Auch der Gelbsenf lockert den Boden durch sein Wurzelwerk tief auf und sorgt für Durchlüftung. Senf keimt und wächst sehr schnell, bildet eine dichte Blattmasse und kann bis spät in den Herbst ausgesäht werden. Gelbsenf friert ebenfalls im Winter ab. Die Pflanzenreste läßt man als schützende Mulchschicht auf den Beeten bis zum Frühjahr liegen. Als Kohlpflanze sollte zum Schutz vor Kohlhernie und anderen Kohlkrankheiten Gelbsenf aber nicht auf Beeten angebaut werden, auf denen Kohl gewachsen ist oder demnächst wachsen soll. Erwähnenswert ist auch, dass Gelbsenf gegen pflanzenschädliche Nematoden (Älchen) wirkt.

Schmetterlingsblütler oder Leguminosen – dazu gehören beispielsweise Klee-Arten, Lupinen, Wicken, aber auch Gemüsepflanzen wie Erbsen oder Bohnen – können den Boden mit Stickstoff anreichern. Dies geschieht mittels Bakterien, die in Knöllchen an ihren Wurzeln leben. Diese Bakterien sind in der Lage, Stickstoff aus der Bodenluft zu sammeln und zu speichern. Die Wurzeln dieser Pflanzen müssen im Boden bleiben, damit sie sich dort zersetzen können um ihre Düngewirkung zu entfalten. Daher wählt man als Zwischenanbau besser einjährige Schmetterlingsblütler.

Ringelblumen oder Tagetes  sorgen mit ihren Wurzelabsonderungen für die Gesunderhaltung der Böden, z.B. vertreiben sie bestimmte schädliche Nematoden.

Das NUA-Infoblatt Gesundheitskur für den Boden informiert über Gründungung und führt in einer Tabelle Gründüngungspflanzen und deren Verwendung auf.

Die Seite der „Der Bio-Gärtner“ listet geeignete Gründüngungspflanzen auf und unterscheidet dabei nicht frostfeste von winterharten Pflanzen und gibt Tipps zur Anwendung.

Gelbsenf, Foto von Erich Westendarp auf Pixabay
Gelbsenf, Foto von Erich Westendarp auf Pixabay
Phacelia, Foto von LeneA auf Pixabay
Phacelia, Foto von LeneA auf Pixabay
Inkarnatklee, Foto von LeneA auf Pixabay
Inkarnatklee, Foto von LeneA auf Pixabay

Starkzehrer wie Kohl oder Tomaten sind für eine Düngung mit Pflanzenjauche dankbar. Am bekanntesten ist sicher die Brennnesesel-Jauche, die zusätzlich zur Düngung noch positiv auf das Bodenleben und heilend auf den Boden wirkt. Dafür wird frisches, kleingeschnittenes Kraut, das noch keine Samen gebildet hat, mit Wasser zum Gären gebracht. Am besten ein Fass aus Holz oder Kunststoff verwenden (Metall würde u.U. mit der Jauche reagieren), nicht bis zum Rand füllen und nicht fest verschließen, täglich umrühren. Wenn die Brühe nicht mehr schäumt, ist sie einsatzbereit. Die fertige Jauche muß verdünnt werden. Die genaue Vorgehens- und Anwendungsweise können Sie im Buch „Der Biogarten“ oder  hier auf der Seite des NDR nachlesen. Auch andere Pflanzen eignen sich zur Herstellung von Pflanzenjauchen, z.B. Beinwell  – alleine oder gemischt mit Brennnesseln.

Ein guter Kali-Lieferant ist Holzasche. Sofern Sie einen Kamin oder Ofen besitzen, können Sie die anfallende Asche dünn in Saatrillen und Pflanzlöcher von Gemüsepflanzen einbringen, die gut mit Kali versorgt sein wollen, z.B. Möhren und Sellerie. Holzasche wirkt zudem pilz- und fäulnishemmend.

Gesteinsmehle und Kalk können  ebenfalls den Zustand des Bodens verbessern. Hier muß aber die Bodenbeschaffenheit beachtet werden. Je nach verwendetem Gestein können versauerte Böden saniert werden, weil das Gesteinsmehl viel Calcium enthält oder aber, wenn das Mehl aus Basalt oder Granit besteht, stark alkalische Böden verbessern. Welche Gesteinsmehle es gibt und wie Sie vorgehen, können Sie hier nachlesen.