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Sauer, aber selten!

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Wildapfelprojekt der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein – Von Adam und Eva bis zum Firmenlogo eines Plattenproduzenten oder zum Gesundheitsgetränk – Äpfel begleiten die Menschheitsgeschichte in Mythen, Symbolik und Volkstum. Äpfel oder Fruchtsaft sind bis heute das Lieblingsobst der Mitteleuropäer. Doch sind unsere Kulturäpfel mit dem Europäischen Wildapfel nicht identisch. Der heimische Wildapfel gehört vielmehr zu den heute recht seltenen und gefährdeten Arten. Grund genug für die Schutzgemeinschaft Dt. Wald (SDW) ihn zum „Baum des Jahres 2013“ auszurufen. Mit einer Förderung der Wilhelm-Münker-Stiftung sowie einer Unterstützung mehrerer Partner konnte die Biologische Station Siegen-Wittgenstein jetzt ein Wildapfelprojekt abschließen.

Früchte des Wildapfels bei Birkefehl, Foto P. Fasel

Früchte des Wildapfels bei Birkefehl, Foto P. Fasel

Im Unterschied zum Kulturapfel ist der Wildapfel an kleineren, kahlen Blättern, kleinen und lang gestielten Früchten, auffallend tief ansetzenden, sparrig wachsenden Ästen und an den vielen Kurztrieben zu erkennen. Wuchsorte sind allesamt lichte Waldsäume, Hauberge, Auenwälder, Hecken und Großviehweiden. Aus asiatischen Wildäpfeln mit wesentlich größeren Früchten ist züchterisch eine extreme Formen-, Frucht- und Geschmacksvielfalt entstanden. Kulturäpfel gibt’s in mehrere Tausend Sorten bzw. Züchtungen auf unterschiedlich stark wachsenden Unterlagen.

Wildapfel im Elberndorfer Bachtal, Foto P. Fasel

Wildapfel im Elberndorfer Bachtal, Foto P. Fasel

Zu Beginn des Projektes wurden im Siegerlandes und Wittgensteiner Bergland die aktuelle Situation des Wildapfels ermittelt sowie Einzelbäume genauer bestimmt. Rücksprachen mit dem Regionalforstamt und eine Befragung von Förstern, Jägern und Hegeringen, Frau Schulze von der Forstgenbank in Arnsberg, den Naturschutzvereinen, Obst- u. Gartenbauvereinen und Baumschulen erbrachten weitere wichtige Erkenntnisse. Meist sind Wildäpfel kleine Einzelsträucher, sie können aber auch Stammdurchmesser von knapp 30cm erreichen. Hochwälder werden mit Ausnahme der lichten Wege und Säume gemieden.

Wildapfelblüte auf der Amdorfer Viehweide, Foto P. Fasel

Wildapfelblüte auf der Amdorfer Viehweide, Foto P. Fasel

Lediglich in Haubergen und deren Ränder, so bei Gernsdorf, Irmgarteichen, Rudersdorf, Niederndorf, Volnsberg, Fellinghausen bis nach Hilchenbach-Lützel wachsen Wildäpfel auch im Niederwald als Stockausschlag. Auffällig sind hier die kleineren Schattenblätter und die geringere Neigung zum Blüten- und Fruchtbesatz. Die mächtigsten Wildäpfel wurden auf ehemaligen Huteweiden bei Gernsdorf sowie in Burbach-Oberdresselndorf gefunden. Förster, Waldgenossen oder die Landwirte wurden informiert und Empfehlungen für die Erhaltung und Freistellung geben. Bereits 2013, also im Jahr des Wildapfels, hatten die Untere Naturschutzbehörde und Waldgenossenschaften junge Wildapfelsträucher Interessierten zur Verfügung gestellt.

Schutzhüllen mit Wildapfelsträuchern bei Oberdresselndorf, Foto P. Fasel

Schutzhüllen mit Wildapfelsträuchern bei Oberdresselndorf, Foto P. Fasel

Schwerpunkt der Mittelverwendung waren 100 Jungbäume, gezogen aus dem Saatgut der Forstgenbank in Arnsberg mit Herkunft aus Südwestfalen. Der Großteil wurde an Förster des Regionalforstamtes Siegerland-Wittgenstein abgegeben bzw. ausgeliefert, v.a. an Martin Sorg aus Kreuztal-Littfeld, Uta Birkhölzer (Ober- und Niederholzklau), Matthias Mennekes (Staatwald Hilchenbach) und Gerhard Lobe für den Bereich Weißtal. Weitere Wildäpfel gingen an die Waldgenosschenschaften Fellinghausen (Dr. Kraft) oder die WG Lützeln (H. Mäurer), in die Aussenanlagen des Forsthauses Hohenroth (Dr. Frieder Koetz), an den Heimatverein Holzhausen (Uli Krumm) und an das Vorstandsmitglied des Pomologenvereins e.V. Landesverband NRW in Struthütten (Theo Morgenschweiss). Jürgen Sartor vom NABU erhielt Pflanzen für den Weidekamp Wahlbach und Jens Lehmann Sträucher für das NSG Puderbachtal bei Laasphe. Herr Gördes von der Dieter-Mennekes-Umweltstiftung erhielt Wildpäfel für Heiligenborn und das Ilsetal. 25 Wildäpfel wurden gruppenweise im südlichen Siegerland am Rand von Kyrillflächen und in die Naturschutzgebiete Gambach, Grabland sowie Winter- und Weierbachtal gepflanzt.

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