Torf im Garten?

Weil Torf ein Vielfaches des Eigengewichts an Wasser speichern kann, er verdichtete Erde lockert, dadurch die Durchlässigkeit des Bodens verbessert wird er bis heute in vielen käuflichen Blumenerden eingesetzt.

Aber:

  • wenn Torf einmal ausgetrocknet ist, kann er nicht mehr benetzt werden und die Wasserspeicherfähigkeit geht verloren,
  • dann verdichtet sich der Boden wieder
  • Torf versauert den Boden, vor allem dort, wo die Böden sowieso basenarm sind (wie in weiten Bereichen des Kreises)
  • durch den Säureüberschuß werden giftige Schwermetalle freigesetzt
  • in versauertem Boden gedeihen Pflanzen schlechter
  • da Torf sehr nährstoffarm ist, wird er mit Kunstdünger aufgedüngt

Torf sollte im Naturgarten möglichst nicht mehr zum Einsatz kommen. Auch den Pflanzen, die unbedingt einen sauren Boden benötigen wie beispielsweise Rhododendren, Azaleen oder Hortensien, kann mit Laubkompost oder Rindenmulch zu einer sauren Bodenreaktion verholfen werden. Die meisten Gartenpflanzen gehören hierzulande aber nicht dazu und können durch den Einsatz von Torf kümmern oder sogar krank werden.

Was Torf ist und woher er kommt, welche Konsequenzen der Abbau hat können Sie weiter unten erfahren.

Weitere Infos und Hintergründe finden Sie hier

Welche Möglichkeiten der Bodenverbesserung hat nun die Hobbygärtnerin / der Hobbygärtner? Dazu kommen wir im nächsten Kapitel Naturgemäße Bodenverbesserung.

 
Was ist Torf eigentlich und wo kommt er her?

Torf besteht aus nicht oder nur unvollständig zersetzter pflanzlicher Substanz, die sich in Mooren angesammelt hat. Bei Mooren unterscheidet man Niedermoore, Übergangs- und Hochmoore, wobei Hochmoore das höchste Alter aufweisen. Die Hochmoorentwicklung hat in der Zeit nach der letzten Eiszeit eingesetzt. Man geht von 1 mm Wachstum der Torfschicht pro Jahr aus. Damit braucht jeder Meter Torfmächtigkeit 1000 Jahre! In Anbetracht der sehr langen Entwicklungszeit sind Hochmoore irreversibel geschädigt, wenn man sie abtorft.

Wirtschaftlich interessant bezüglich Torfnutzung sind die Hochmoore, da sich nur hier mehrere Meter dicke Torfpakete bilden konnten, deren gewerblicher Abbau sich lohnt. Zum einen wurde – und wird – Torf als Brennmaterial genutzt, denn ausgetrockneter Torf ist brennbar. In torfreichen Ländern werden sogar heute noch Kraftwerke damit betrieben.

Zum anderen wird Torf im Gartenbau eingesetzt. Auch dieser Torf stammt aus Hochmooren.

Weitere Informationen dazu finden Sie bei wikipedia

Moorlandschaft Hohes Venn, Foto von MichaelGaida auf Pixybay
Moorlandschaft Hohes Venn, Foto von MichaelGaida auf Pixybay
 
Hochmoore

Hochmoore sind einzigartige Lebensräume, die sich im Laufe von Jahrtausenden gebildet haben. Am Anfang der Entwicklung stand oft ein flaches Gewässer mit Seggenriedern, Röhrichten und Bruchwäldern. Abgestorbenes Pflanzenmaterial sammelte sich am Gewässergrund an. Durch Luftabschluss konnten sich die Pflanzenreste nicht zersetzen und es bildete sich zunächst ein nährstoffreiches Niedermoor mit Niedermoortorf. Durch weiteres Wachstum der Torfschicht wuchs die Torfdecke aus dem Einflussbereich des Grundwassers heraus. Die Bedingungen wurden dadurch immer nährstoffärmer, da die Wasserversorgung nur noch über Niederschläge erfolgte. Die Entwicklung vom Nieder- zum Hochmoor war daher auch nur in kühlem und feuchtem Klima möglich.

Die Haupt-Torfbildner im Übergangs- und Hochmoor waren und sind Torfmoose. Diese Moose sind an die extremen Bedingungen von Übergangs- und Hochmooren angepasst. Moorwasser enthält kaum Nährstoffe, wenig Sauerstoff und einen niedrigen pH-Wert von ca. 3,4 bis 3,7 (zum Vergleich: Essig hat einen pH-Wert von 3).
Torfmoose sind in der Lage, Nährstoffe auch in geringsten Konzentrationen aufzunehmen. Im Austausch geben sie Wasserstoff-Ionen ab und schaffen sich damit eine saure Umgebung. Außerdem wachsen Torfmoose im Prinzip unbegrenzt, d.h. sie wachsen an der Spitze, während sie am anderen Ende durch Luftmangel absterben und zum Torfwachstum beitragen. Bei ausreichender Wasserversorgung nehmen Torfmoose große Mengen Wasser auf. In ihren Speicherzellen können sie mehr als das 30-fache ihrer Trockenmasse an Wasser speichern. In Trockenzeiten reduzieren sie ihre Stoffwechselvorgänge auf ein Minimum.

Weitere Informationen zu Hoch- bzw. Regenmooren finden Sie hier.

Torfmoospolster, Foto von U. Siebel
Torfmoospolster, Foto von U. Siebel
Rundblättriger Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, Foto M. Frede
Rundblättriger Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, Foto M. Frede
 
Warum sind Moore und ihr Erhalt so wichtig?

Moore nehmen weltweit etwa 4 Mio. qkm Fläche ein. Die größten Moorbereiche der Erde liegen in Kanada, Alaska, Nordeuropa, Sibirien und Südostasien, der Großteil davon in nur dünn besiedelten Gebieten vor allem von Kanada, Alaska und Sibirien. Daher weisen noch  fast 80% einen natürlichem Zustand auf. In Europa und Südostasien sind hingegen kaum noch intakte Moore vorhanden.

Dabei sind Moore in vielerlei Hinsicht ungemein wichtig.

Intakte Moore sind ein gigantischer Kohlenstoff-Speicher. Das Bundesamt für Naturschutz gibt an, dass z. B. in den Mooren Deutschlands genau so viel Kohlenstoff gespeichert ist wie in den Wäldern, nämlich jeweils ca. ein Drittel der Kohlenstoffvorräte, dabei bedecken Moore hier nur ca. 4% der Landfläche und Wälder ca. 30 % !  Entwässerte Moore hingegen werden zur Treibhausgas-Quelle und tragen so zum Klimawandel bei. Neben riesigen Mengen des ehemals gespeicherten CO2 (Kohlendioxyd), entweicht aus entwässerten Mooren zusätzlich Lachgas (N2O), dessen klimaschädigende Wirkung um ca. 300 x höher ist, als die des CO2.

Naturnahe Moore können große Wassermengen speichern. Sie sind in der Lage, starke Niederschläge zunächst aufzunehmen und nur langsam über mehrere Tage verzögert abzugeben. Dadurch regulieren sie den Wasserhaushalt der umgebenden Landschaft.

Gleichzeitig wirken Moore ausgleichend auf das Lokalklima, da die permanente Verdunstung von Wasser vor allem bei sommerlichen Wetterlagen kühlend wirkt.

Eine weitere wichtige Leistung der Moore ist ihre Filterfunktion. Sie entziehen dem durchströmenden Wasser sowohl Nähr- als auch Schadstoffe und speichern diese dauerhaft.

Nicht zuletzt sind Moore attraktive Erholungsräume mit überregionaler Bedeutung.

Ausführlichere Informationen zu den Ökosystemleistungen finden Sie hier.

 
Moorlandschaft Hohes Venn, Foto von Herbert Aust auf Pixabay
Moorlandschaft Hohes Venn, Foto von Herbert Aust auf Pixabay
Torfabbau

Auch in Deutschland wird heutzutage noch Torf abgebaut. Dies geschieht allerdings nur noch in sowieso schon entwässerten Lagerstätten. Laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft sind das aktuell etwa 7 Millionen Kubikmeter Torf pro Jahr. Etwa 1,8 Millionen Kubikmeter werden jedes Jahr importiert – vorwiegend aus dem Baltikum, Russland, Polen und Skandinavien.

Vor allem Niedersachsen und Schleswig-Holstein verfügen über weitläufige Moorgebiete, die als solche allerdings weitgehend aus der Landschaft verschwunden sind. Die vormals riesigen Moorflächen wurden größtenteils entwässert, um sie landwirtschaftlich und zum Torfabbau nutzen zu können.

Moore nahmen in Deutschland ursprünglich eine Fläche zwischen 1,4 und 1,8 Millionen ha ein und damit etwa 4 – 5 % der Landesfläche. Heute gelten davon noch 25.000 ha als intakt. Somit sind 98 % der Moorflächen verloren gegangen (siehe auch hier).

Einblicke über die aktuelle Verbreitung der Moorgebiete in Deutschland finden Sie beim Bundesamt für Naturschutz (BfN).

Informationen über die aktuelle Situation der Moore in Deutschland bieten das BfN und der NABU

Torfabbau, Foto von bernswaelz auf Pixabay
Torfabbau, Foto von bernswaelz auf Pixabay