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Vom Wolf zum Haushund

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Im Rahmen unseres Veranstaltungsprogramms besuchte eine 8-köpfige Gruppe die Eberhard-Trumler-Station in Birken-Honigsessen in der Nähe von Wissen.

In der Eberhard-Trumler-Station , die übrigens in der Gemarkung „Wolfswinkel“ liegt, wird das Sozialverhalten von Hunden erforscht. In mehreren Freigehegen leben verschiedene Hunderudel, z.Zt. sind dies im wesentlichen Dingos und Marderhunde. Bei beiden Arten handelt es sich um Wildhunde. Die in der Trumler-Station lebenden Hunde sind nicht von Menschen erzogen worden und in ihrem Verhalten nur wenig vom Menschen beeinflusst. Die Tiere zeigen daher noch Verhaltensweisen, die Rückschlüsse auf ursprüngliches Verhalten erlauben.

Dingo in der Eberhard-Trumler-Station bei Birken-Honigessen, Foto U. Siebel

Dingo in der Eberhard-Trumler-Station bei Birken-Honigessen, Foto U. Siebel

Herr Roos, der wissenschaftliche Leiter, führte die Gruppe über das Gelände der Station. Einige der Dingos zeigten großes Interesse und ließen sich zur Freude der Teilnehmer/innen ausgiebig kraulen. Dingos sind schon seit Jahrtausenden Begleiter des Menschen und man nimmt an, dass sie als solche mit dem Menschen nach Australien gekommen sind und dort verwilderten.

Besuchergruppe in der Eberhard-Trumler-Station bei Birken-Honigessen, Foto U. Siebel

Besuchergruppe in der Eberhard-Trumler-Station bei Birken-Honigessen, Foto U. Siebel

Marderhunde gehören in Deutschland zu den sogenannten Neozooen, d.h. sie kommen hier nicht von Natur aus vor. Die ursprünglich aus Ostasien stammenden Marderhunde wurden als Pelztiere in Westrussland ausgesetzt und seither breiten sie sich selbständig aus. Seit ca. 1960 sind sie auch in Deutschland eingewandert und kommen hier gut zurecht. Mit dem Marderhund bevölkern mittlerweile vier wilde Hundeartige unsere Landschaft: der Rotfuchs, die beiden natürlich, d.h. ohne Zutun des Menschen, einwandernden Arten Wolf und Goldschakal und eben der Marderhund. Bei den Marderhunden im Gehege fällt die Fellfärbung auf, sie sind sehr hell, fast weiß. Herr Roos erklärte, dass solche Farbschläge natürlich auftreten, es handele sich auch nicht um Albinismus. Oft würden Wildtiere mit abweichender Fellfärbung ein anderes Verhalten zeigen, z.B. leichter zu zähmen sein. Dies bestätigten die Tiere im Gehege anschaulich, denn die hellen kamen an den Zaun, das wildfarbene hingegen blieb in Deckung.Ungewöhnlich weiß gefärbte Tiere wurden früher oft verehrt, man denke an den Hubertushirsch.

Weißer Marderhund in der eberhard-Trumler-Station bei Birken-Honigessen, Foto U. Siebel

Weißer Marderhund in der eberhard-Trumler-Station bei Birken-Honigessen, Foto U. Siebel

Herr Roos wies ausdrücklich darauf hin, dass Hunderassen für verschiedene Aufgaben gezüchtet worden seien und sich daher nicht jeder Hund als Familienhund eigne.Ausgeprägte Eigenständigkeit und großes Aktivitätsbedürfnis, wie z.B. bei Westerwälder Hütehund oder Bordercollie oder auch starker Jagdtrieb wie beim Weimaraner lassen so manche Hundehalter kapitulieren und der unbedacht angeschaffte Hund landet dann oft genug im Tierheim.

Auch die Sitte, Haushunde mit Wölfen zu kreuzen ist bedenklich. Die daraus resultierenden Mischlinge sind überhaupt nicht alltagstauglich, denn es werden Wildheit und Scheu wieder eingekreuzt. Sie eignen sich ganz und gar nicht zum Familienhund. Gleiches gilt übrigens auch für den Dingo.

Hinsichtlich des zurückkehrenden Wolfes wurde betont, dass Managementpläne erforderlich sind. Dies ist zum einen für das Überleben der Wölfe wichtig, aber auch für Landwirte, die ihre Tiere draußen weiden lassen und ggf. bei Verlusten durch den Wolf entschädigt werden müssen. Außerdem gibt ein Managementplan der Bevölkerung Informationen an die Hand. Für NRW wurde kürzlich ein als PDF abrufbarer Wolfsmanagementplan erstellt mit einem Handlungsleitfaden beim Auftauchen einzelner Wölfe.

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